Das Zitat im April

produkt-8258„Eigentlich sollte man meinen, dass sich Magier und Wissenschaftler stark voneinander unterscheiden. Hier haben wir einige Leute, die sich sonderbar kleiden, ganz offensichtlich in ihrer eigenen Welt leben, eine besondere Sprache sprechen und häufig Bemerkungen von sich geben, die in krassem Gegensatz zum gesunden Menschenverstand stehen. Dort sehen wir Menschen, die sich seltsam kleiden, eine besondere Sprache sprechen, ganz offensichtlich in einer eigenen Welt leben und… äh…“

aus „Die Gelehrten der Scheibenwelt“ von Terry Pratchett (1948-2015)

 Die Erde ist eine Scheibe die von vier Elefanten getragen wird, welche wiederum auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte stehen, die durch das All schwimmt – so sieht die Welt in Terry Pratchetts Zyklus der Scheibenweltromane aus, der 41 Bände umfasst. Fast überflüssig zu erwähnen, dass es in der Scheibenwelt Magie gibt und die Lehrstühle an der „Unsichtbaren Universität“ von Zauberern besetzt sind.

Vieles ließe sich zu diesem Werk sagen, doch ist es vor allem eines: Eine Huldigung der heutigen Wissenschaft und ihrer Vertreter, die uns Menschen aus der Dunkelheit archaischer und irrationaler Vorstellungen, wie sie die Scheibenwelt symbolisiert, hin zum Lichte wissenschaftlicher Erkenntnis geführt haben – zumindest, wenn man mal davon absieht, dass nach der Theorie des Kosmologen Max Tegmark (*1967) wohl auch die Scheibenwelt irgendwo da draußen existieren muss.

Nehmen wir nur die Große Frage nach der Entstehung der Welt. Welchen unverständlichen Bockmist musste sich die Menschheit dazu nicht anhören! Von Sphären, Schöpfern und Geistwesen wurde uns erzählt, die nie ein Mensch gesehen hat und auch nie würde sehen können, weshalb wir angehalten wurden, an ihre Existenz glauben! Welch Beleidigung des menschlichen Intellekts! Sehr schön parodiert bei Pratchett: Das Universum wurde durch einen Schöpfer geschaffen, der den „Zauber des Wandels“ anwandte. Ha, ha …

Zum Glück erleuchtet uns heute die Wissenschaft, indem sie uns erklärt, dass das Universum durch den Urknall entstanden ist, der aufgrund einer zufälligen Fluktuation des Quantenvakuums ausgelöst wurde. Da versteht man dann wenigstens, was gemeint ist.
Und auch die Frage, warum alle Naturkonstanten von Anfang an genau so eingestellt waren, dass überhaupt Leben und damit der Mensch entstehen konnte, ist inzwischen geklärt. Fragen Sie Tegmark und andere: Es gibt einfach sehr viele parallele Universen mit all den anderen Werten für die Naturkonstanten. Gut, diese Universen hat nie ein Mensch gesehen und wegen Einsteins Relativitätstheorie wird sie auch nie jemand sehen, geschweige denn betreten können, aber… äh…

Wenn Ihnen das jetzt irgendwie spanisch vorkommt, liegt es übrigens nur daran, dass Sie sich im falschen Universum befinden. Keine Sorge, so was kommt eben vor. Denn: Nach Tegmark (kein Witz!) gibt es irgendwo da draußen ein Universum in dem Sie (?) gerade diesen Beitrag lesen und diese Argumentation völlig einleuchtend finden. Möglicherweise tragen Sie dort noch einen grasgrünen Schnurrbart (übrigens auch dann, wenn Sie eine Frau sind) und sind Mitglied eines Swingerclubs, aber solche Nebensächlichkeiten sollten uns nicht irritieren. Vielmehr sollten wir dankbar sein, dass wir nicht in der Scheibenwelt leben, sondern uns als aufgeklärte und kritische Bürger des wissenschaftlichen Zeitalters nicht mehr verhohnepipeln lassen. Dessen sollten wir uns beim Lesen – Ironie off – dieses schönen Romans der „Gelehrten der Scheibenwelt“ – Ironie on – stets bewusst sein.