Das Duell Mensch gegen Maschine – Wer schreibt den besseren Song?

Es begab sich zu jener Zeit, als sich um Songs noch Mythen rankten und Songschreiber eine quasikultische Verehrung genossen, als man noch rätselte, woher sie die Ideen für ihre Lieder nahmen und sinnlosen, aber schönen Fragen nachhing wie der, ob nicht vielleicht alle großen Songs schon geschrieben seien, damals als einem allein die Erwähnung von Titeln wie Stairway To Heaven, Back In Black, Hotel California oder Smoke On The Water noch eine Gänsehaut den Rücken hinunter trieb und als manche munkelten, derlei Musik könne nur durch göttliche oder gar satanische Eingebung entstanden sein und Personen wie Bach, Mozart, Lennon, McCartney oder Morricone müssten so eine Art musikalische Päpste sein, weil sie doch offenbar von einem melodischen Heiligen Geist beseelt seien.

In dieser Zeit also fasste sich ein in die Jahre gekommener, musikalisch halbwegs begabter Junge ein Herz (er hatte ein großes) und schrieb einen Song. Einmal, weil es sein musste und zum anderen, weil er sich erträumte, ein Teil jener Magie der Musik zu werden, ein ganz winziger natürlich nur, aber eben doch ein Teil. Er hatte Glück! Bekanntlich bestraft das Leben diejenigen, die zu spät kommen. Doch er kam gerade noch rechtzeitig. Wenige Monate nach der Veröffentlichung seines Songs erblickte Suno das Licht der Welt, eine KI die Songs schreibt. In Minuten. Keine Robotermusik – die gab es eher in den Achtzigern, als nach der Entwicklung der ersten Synthesizer Menschen sich ausmalten, wie Computermusik in Zukunft klingen würde. Nein, die guten von den beliebig vielen Suno-Songs klangen natürlich, musikalisch ausgereift und vermittelten (scheinbar) echte Emotionen. Unser Junge war fasziniert und geschockt gleichermaßen. Was war sein Song jetzt noch wert? Was waren die anderen Songs noch wert, wenn jedermann auch ohne musikalisches Können seinen eigenen produzieren konnte? War Suno besser als alle bisher dagewesenen, besser als die aus Kohlenstoff, als die Beethovens, Stevie Wonders und Billy Joels? Und: Was wäre, wenn Suno Yesterday oder Bohemian Rhapsody schreiben würde? Wäre es besser?

Besonders die letzte Frage trieb unseren Jungen um: Wie würde Yesterday klingen, wenn Suno es schreiben würde? Es durfte nicht besser sein als das Original. Es durfte einfach nicht! Zum Glück (?) gab es auf diese Frage keine Antwort, denn Suno verweigerte die Komposition, wenn man den Text von Yesterday, Child In Time oder einem anderen bekannten Lied eingab. War das ein letzter Hauch von Ehrfurcht vor den großen Namen, die man nicht bloßstellen wollte? Das durfte nicht der Grund sein, niemals!

Und so machte sich ein kleiner, unbekannter, in die Jahre gekommener Junge mit seinem Song allein auf Weg, die menschliche Musik zu verteidigen. Seinen Text kannte Suno nicht (was eigentlich eine Unverschämtheit war, aber egal) und so konnte er seinen Song von Suno nachkomponieren lassen. In vollem Bewusstsein, dass er wie John Henry enden könnte, stellte er sich dem Schicksal. Wie er auf die neue Version seines Songs reagierte, ist nicht überliefert, doch Sie, liebe Leserinnen und Leser, können beide Songs vergleichen und entscheiden. Mensch oder Maschine, wer schrieb den besseren Song?
Lost In Love oder Lost In Love – Sara’s Version
(Links auch noch einmal unter der Tabelle)
Schreiben Sie es in die Kommentare.

 Lost In Love (2023)Lost In Love – Sara’s version (2025)
Text
(für beide Songs gleich)
Axel StöckerAxel Stöcker
Musik, rechtlichAxel StöckerAxel Stöcker
Musik, tatsächlichAxel Stöcker und Anregungen der Musiker bei der AufnahmeSuno (KI)
Wahl des Genresintuitivbewusste Vorgabe
Vorgeschichte des Songslangkeine
Kompositionstechnikauf der GitarreMehrere Songs von Suno erstellen lassen,
dann auswählen
Benötigte Zeit für die KompositionEin paar Stunden bis TageFür den Song selbst: ein paar Minuten
Für die Auswahl: ein paar Tage
Benötigte Zeit für das ArrangementEin paar WochenEin paar Minuten (entsteht automatisch bei der Erstellung des Songs)
Anzahl der Musiker7
Gesang, Bass, Piano, Keyboard, Cello, Rhythmusgitarre, Slidegitarre
(Schlagzeug wurde programmiert)
0
Anzahl der Studiotermine40
AbmischenTontechnikerSuno (entsteht automatisch bei der Erstellung des Songs)
MasteringTontechnikerRemastering durch Suno, Manuelles Mastering zur Qualitätsverbesserung (Trennen der Spuren, Hallentfernung, Abmischung in DAW)

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Axel Stöcker

Axel Stöcker studierte Mathematik und Chemie. Seit 2016 bloggt er zu den „großen Fragen“ der Wissenschaft und des Lebens im Allgemeinen und war damit schon mehrfach für den Wissen-schaftsblog des Jahres nominiert (https://die-grossen-fragen.com/). Einen Schwerpunkt bilden dabei die Themen Bewusstsein und freier Wille. Dazu interviewt er auf dem YouTube-Kanal „Zoomposium“ zusammen mit Dirk Boucsein bekannte Hirnforscher wie Wolf Singer oder Gerhard Roth. Seine Gedanken zu diesem Thema hat der „Skeptiker mit Hang zur Romantik“ nun in dem Roman „Balduins Welträtsel“ verarbeitet.

Ein Gedanke zu “Das Duell Mensch gegen Maschine – Wer schreibt den besseren Song?”

  1. Die menschliche Version ist um Klassen besser! Das Arrangement, die Stimme – beim Refrain „Lost in love“ merkt man es besonders. Die KI-Stimme ab „can’t get rid of her….“ knödelt auf wenig ansprechende Weise (irgendwei jammerig) nach oben, während die menschliche Stimme überhaupt kein Problem hat und alles harmonisch und wunderbar klingt!

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