TRAILER – Interview mit Prof. Gerhard Roth – ungekürzte Fassung auf dem YouTube-Kanal ZOOMPOSIUM

Die beiden Wissenschaftsblogs philosophies.de und die-grossen-fragen.com (Der Blog der großen Fragen) haben den Youtube-Kanal Zoomposium eröffnet, auf dem sich interessante Persönlichkeiten zu Themen im Grenzbereich zwischen Naturwissenschaft und Philosophie äußern können.

Im Dezember hat uns ein ganz prominenter Gast beehrt: Mit Prof. Gerhard Roth, einem der bekanntesten deutschen Hirnforscher und Autor zahlreicher Bücher, sprachen Dirk Boucsein und ich unter anderem über das Bewusstsein, Zombies und die Frage, ob man eines Tages Gedanken lesen kann.

Das komplette Interview finde man hier:

Inverview mit Prof. Gerhard Roth auf „Zoomposium“
Posted by:Axel Stöcker

Axel Stöcker bloggt seit 2016 über die "großen Fragen". Seine Gedanken zum Problemkreis „Bewusstsein und freier Wille“ – einem Schwerpunktthema des Blogs – hat der „Skeptiker mit Hang zur Romantik“ im Roman "Die Hirnkurve der Liebe" verarbeitet, der sich zur Zeit in der Veröffentlichungsphase befindet.

4 Antworten auf „Wie wirklich ist Bewusstsein? – Interview mit Prof. Gerhard Roth (Video)

  1. Sehr beeindruckend – danke. Aber Chalmers’ Zombie-Argument wird er nicht gerecht. Denn nur, wenn man voraussetzt, dass der Mensch ein Produkt der Evolution ist und sich das Wissen, das er zum normalen Verhalten in der Kultur benötigt, durch Lernen aneignen muss, sind Zombies unmöglich. Denn wir lernen durch Belohnung und Strafe, durch das Erleben von Erfolg und Enttäuschung. Dafür ist phänomenales Erleben die Voraussetzung.
    Wäre der Mensch aber Geschöpf Gottes, dann hätte Gott in seiner Allmacht auch Zombies erschaffen können, die mit allem Wissen ausgerüstet wären, das man braucht, um sich normal zu verhalten.
    Da die Nichtexistenz Gottes und auch die Evolutionstheorie nicht beweisbar sind (auch wenn empirisch so ziemlich alles dafür spricht), sind Zombies theoretisch denkbar.
    Chalmers macht durch sein Zombie-Argument deutlich, dass es bis jetzt nicht überzeugend gelungen ist, zu erklären, wie das Geistige – als Geistiges – unser Verhalten steuert.

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    1. Danke für diesen Kommentar.
      Ich fand auch, dass es sich Roth beim Zombie-Argument etwas zu einfach gemacht hat. M. E. sieht Roth im Bewusstsein eine bestimmte Funktionalität des Gehirns. Für diese ist seine Argumentatition auch richtig, denn ohne sie könnte der menschliche Organismus bestimmte Dinge gar nicht vollbringen. Allerdings hat diese Funktionalität nicht zwingend etwas mit dem Bewusstsein als der Wahrnehmung aus der Erste-Person-Perspektive zu tun. Die Frage, warum die Funktionalität Bewusstsein nicht auch ohne diese Perspektive da sein könnte, ist die entscheidende. Und die beantwortet Roth nicht.
      Ich denke, diese Frage ist auch dann offen, wenn der Mensch ein Produkt der Evolution ist (wovon ich persönlich ausgehe).

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      1. Die Antwort auf die Frage, ob die Funktion des Bewusstseins nicht auch ohne Bewusstsein, ohne inneres Erleben gewährleistet sein könnte, hängt davon ab, was die Funktion des Bewusstseins ist. Warum hat sich Bewusstsein entwickelt? Warum waren Tiere mit Bewusstsein solchen ohne Bewusstsein überlegen?
        Die Antwort ist m.E., dass Bewusstsein individuelles Lernen ermöglicht – Lernen durch Belohnung und Strafe, durch das Erleben (!) von Erfolg und Enttäuschung. Die ersten Qualia waren vermutlich Schmerz und Furcht – und die muss man erleben, damit man daraus lernen kann. Siehe dazu auch https://link.springer.com/article/10.1007/s10539-020-09772-0
        Bewusstes Erleben ermöglicht nicht nur Lernen, sondern auch Freiheit. Wenn das Berühren der heißen Herdplatte mit einem unbedingten Rückzugreflex verknüpft wäre, dann wäre die Schmerzempfindung überflüssig. Wir haben aber die Möglichkeit, den Schmerz auszuhalten, wenigstens für eine kurze Zeit, und es sind Gründe vorstellbar, dies zu tun.
        Ich halte die Funktion, den „Sinn und Zweck“ des phänomenalen Erlebens im Rahmen eines evolutionären Ansatzes für erklärbar. Damit ist aber nicht das Bewusstsein selbst erklärt – die Tatsache, dass die Natur „die Augen aufschlägt und wahrnimmt, dass sie ist“, wie Schelling sagte.

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  2. Die Gottesgläubigkeiten sind so wahr und wirksam, wie auch die Evolutionstheorien der Menschen mit unseren evolutiven Erkenntnisse und deren Begriff. Die Gläubigkeiten und das Wissen sind evolutiv psychogenetisch und /oder antriebsdynamisch als Wahrheiten verstehbar. Die Wahrheit ist.
    Wahr ist, dass wir, wie alle anderen Säugetiere und Lebewesen, dominant unbewusst angetrieben sind.
    Wir dürfen unser Bewusstsein nicht weiter so maßlos überschätzen, sondern müssen unsere unbewussten eitelen, vorteils- und macht-orientierten Antriebe erkenntnisstandgerecht reflektieren/bedenken und lernen, sie vernünftig – ethisch-moralisch verantwortlich – lebenspraktisch nachhaltig naturangepasst umzusetzen.

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