Und was sagte Platon dazu?

Daniel Brockmeier, Vlogger und Philosoph

danie brockmeier 1

Vloggt zur Philosophie: Daniel Brockmeier

Die Kategorie Zeitgenossen antworten lief bisher eher bescheiden. Von den fünf befragten Zeitgenossen waren drei Blogger. Zwei davon sind inzwischen nicht mehr aktiv und einer war ich selbst. Nunja. Jugendsünden eines Blogs, der in diesen Tagen drei Jahre alt wird. Nun soll es anders werden.

Die Idee der Kategorie war von Anfang an, immer dieselben Fragen an verschiedene Personen zu stellen. Die Hoffnung dabei: wenigstens unterschiedliche Aspekte dessen auszuleuchten, was ohnehin nicht letztgültig beantwortet werden kann. Die großen Fragen eben, sei es die nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis oder auch nur jene nach guter Musik.

Typen statt Theorien – so könnte man das Motto der Kategorie schlagwortartig zusammenfassen. Wobei Philosophen naturgemäß ein größeres Interesse an den großen Fragen mitbringen als andere. So stellt sich auch heute der Vlogger und Philosoph Daniel Brockmeier unseren Fragen.

Wer sich den großen Fragen zuwendet, landet bekanntlich früher oder später bei den ollen Griechen und damit auch bei Platon, der, wie man weiß, seinen geistigen Nachfahren lediglich noch zugestand, Fußnoten zu seinem philosophischen Werk zu erarbeiten. Doch was dachte Platon eigentlich genau über Themen wie die menschliche Seele oder den Sinn des Lebens?

Wer das wissen möchte, aber keine Zeit für Quellenstudien in philosophischen Wälzern hat, der findet auf Brockmeiers Vlog ebenso informative wie unterhaltsame Videos zu Platon. Wobei: Wer sein letztes Video geschaut und dieses Interview gelesen hat, könnte zu dem Schluss kommen, dass die Tage der Platon-Videos gezählt sind und es bald um einen anderen Philosophen geht. Aber lesen Sie selbst!

 

Wofür lassen Sie alles stehen und liegen?

Da ich Kinder habe: Wenn meine Kinder mich brauchen.

Welche Themen interessieren Sie am meisten?

Die Ethik hat mein Interesse für Philosophie geweckt. Doch sie hat mich irgendwann so frustriert, dass ich sie nicht mehr verfolgte. Philosophisch interessiert war ich dann lange hauptsächlich an theoretischer Philosophie mit analytischer Ausrichtung. Über die analytische Philosophie kam ich zur Ästhetik und zur Filmanalyse. Mittlerweile finde ich – um den Bogen zurückzuschlagen – wieder zurück zur Ethik.

Welcher Wissenschaftler fasziniert Sie besonders?

Puh, gute Frage. Die Klischee-Antwort wäre natürlich Einstein, nicht zuletzt weil er großen Einfluss auf Karl Popper hatte und der wiederum einer meiner Lieblingsphilosophen ist. Aber noch faszinierender war vielleicht Darwin, weil er es geschafft hat, unser Weltbild noch viel intensiver und tiefgehender zu erschüttern.

Und welcher Philosoph?

Hier kann die Antwort nur „Wittgenstein“ lauten. In der zweiten Reihe gibt es viele: Popper, Nelson Goodman, Platon etc. Aber kein anderer Philosoph hat mich je so begeistert wie Wittgenstein.

Welche drei Bücher würden Sie den Lesern des Blogs der großen Fragen empfehlen?

Hier müsste wahrscheinlich jetzt eines von Wittgenstein stehen, oder? Aber der alte Österreicher ist schwer zu erfassen, wenn man ohne Vorbereitung auf ihn trifft. Daher kann man ihm sich am besten über Anthony Kennys sekundärliterarisches Buch mit dem simplen Namen „Wittgenstein“ nähern. Viel Schönes und Wahres über die Menschen steckt weiterhin in den Essays von David Foster Wallace, exemplarisch: „A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again“. Schließlich noch – wenn man das Mindset eines Philosophen verstehen möchte – „Die Apologie des Sokrates“ von Platon.

Welche Musik mögen Sie?

Ich höre querbeet, was mir ins Ohr geht. Ich wäre ja gerne Kulturpessimist, aber ich muss sagen, dass ich begeistert bin von modernen Musik-Streaming-Diensten, die mir fast jedes Musikstück der Welt zugänglich machen, sodass ich immer etwas Neues entdecken kann. Die drei am meisten gehörten Songs 2018 von mir waren: „Grauer Beton“ von Tretmann, „Waving Goodbye“ von Sia und der Soundtrack von „Crouching Tiger, Hidden Dragon“.

Auf welchem Gebiet herrscht heutzutage die größte Unwissenheit?

Nice! Das ist eine philosophische Fangfrage. Da ich prinzipiell nicht wissen kann, was ich nicht weiß, lässt sie sich natürlich nicht beantworten.

Was macht eine Frage bedeutend?

Gute Frage! Eine bedeutende Frage verrät etwas über den Fragenden, die Menschheit und/oder die Welt.

Eine Fee verspricht Ihnen die Antwort auf eine beliebige Frage. Was fragen Sie?

Wie soll ich mich da auf eine Frage festlegen? Wenn ich cheaten darf, dann würde ich fragen: Was ist das Universum und was hat den Urknall ausgelöst (bitte erkläre es mir so, dass ich es auch verstehe)?

Wo sehen Sie Grenzen menschlicher Erkenntnis?

Das geht in eine ähnliche Richtung wie die Frage nach dem größten Unwissen. Was uns 2.500 Jahre Philosophie gelehrt haben, ist auf alle Fälle, dass sowohl die Struktur der Welt, als auch unsere physiologischen Beschränkungen und obendrein auch noch die medialen Eigenschaften der von uns verwendeten Symbolsystem unseren Erkenntnismöglichkeiten Grenzen setzen. Aber ich kann natürlich nie sagen, ob diese Liste abschließend ist.

Jemand erklärt Ihnen, die Frage nach Gott sei belanglos. Was antworten Sie?

Das ist Russels Teekanne! Klar kannst du das so sehen. Viele andere Menschen sehen das anders. Wer kann entscheiden, wer hier recht hat.

Welche Bedeutung hat der Tod für Sie?

Ich habe existentialistische Angst vor dem Tod. Ich bin gnadenloser Agnostiker und finde daher keinen Trost im Glauben an ein Leben nach dem Tod. Der Gedanke, dass meine Gedanken irgendwann einfach stoppen und meine Welt nicht mehr existiert, macht mir daher Angst. Hoffentlich ist mein letzter Gedanke wenigstens ein schöner.

Foto: Daniel Brockmeier

 

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28 Kommentare zu “Und was sagte Platon dazu?

  1. Hallo Axel, hallo Daniel!

    Ich bin ein Abonnent des Vlogs von Daniel. Schön, dich hier anzutreffen, Daniel! Deine Videos haben mit der Bildauswahl immer einen besonders kreativen Reiz, danke für diese unterhaltsame Wissensvermittlung! Heute muss man Philosophie vielleicht so verkaufen.

    Platon war neben den Vorsokratikern immer mein Prüfstein, ob Philosophie heute noch naturwissenschaftlich gebildete Leute erreichen kann. Denn die Aussagen klingen eigentlich nach einem wissenschaftlichen Kuriositätenkabinett, wenn man mal ehrlich ist: „Alles ist aus Wasser entstanden.“, „Nur Ideen sind wirklich, die sichtbaren Gegenstände sind nur Abbilder der Ideen der Gegenstände. Und die höchste Idee ist das Gute.“, „Alles ist Eins, Bewegung ist eine Illusion.“ Mal ehrlich, muss das nicht Fluchtinstinkte bei Abiturienten wecken? Ist das nicht noch schlimmer als Theologie? – Auch wenn meine Ambitionen im Philosophiestudium immer die Naturwissenschaften waren, so sehr ärgerte es mich doch, diese Schattenseite „meiner“ Philosophie nicht gut wegdiskutieren zu können. Daher reizte es mich, den Spieß umzukehren und diese Philosophiegeschichte neu zu schreiben!

    Eine verwegene Aufgabe, gebe ich zu, die 100.000-ste Einführung in die Philosophie. Was kann da noch neu sein?

    Nun, mit etwas gutem Willen lässt sich ein paralleler Weg zu modernen Lehren wie die Einheitliche Feldtheorie von Einstein und Schrödinger ziehen. Anknüpfungspunkt ist dabei der gern übersprungene Anaximander, welcher mit dem Apeiron Rätsel aufgibt und so gar nicht „nett“ in das Kuriositätenkabinett passen will. Ohne Grenze zu sein, zeichnet das Konzept Kontinuum aus. Und mit den Worten von Aristoteles kann man sagen: Wir brauchen eine Substanz, welche (als Kontinuum) überall ist und die Potenz hat, alles werden zu können. Wie in einem Ei eine wässrige Substanz sich in feste Elemente wie Schnabel und Federn „wandelt“. Anaximanders Nachfolger brachte schon das beste Konzept auf, welches das leisten könnte: Verdichtung und Verdünnung. Erinnert auch das an etwas? Richtig: Die Allgemeine Relativitätstheorie lehrt uns, dass der Raum „gekrümmt“ sein kann. Schrödinger (u. a.) verfolgte, ob sich das Konzept auch als kleine „gekrümmte“ Zustände auf ein Atom anwenden lässt. Alles unter dem Deckmäntelchen „Tensoren-Analyse“.

    Nun, so ausführlich wollte ich eigentlich gar nicht werden, was meine Arbeit betrifft. Es war nur der Reiz, davon zu erzählen, dass ich meine, man muss zeigen, dass auch ein Platon auf einer Tradition aufbaut, welche sogar Naturwissenschaftlern etwas lehren kann, wenn man nur besser hinhört.

    Oder warum steht über der Akademie „Es möge nur eintreten, wer Geometrie mag“ (oder so ähnlich)? Ich bin überzeugt, dass es die ungeschriebene Lehre von Platon gibt, und das, was man davon mitbekommt, könnte auf pythagoreische Gedankenspiele mit geometrischen Gestalten im Apeiron hinweisen. Heisenberg verweist darauf, dass nach seinen Erkenntnissen Platon der Wahrheit näher stand als Demokrit: Keine unteilbaren Teilchen existieren, mathematische Gesetze machen die Natur der Elementarteilchen aus (insbesondere Symmetrien).

    Nun aber Schluss, sonst schreibe ich hier nun wirklich zu viel 🙂
    Hat mich halt riesig gefreut, Daniel hier anzutreffen, welcher sich so riesige Mühe gibt, Philosophie attraktiv zu vermitteln.

    Viele Grüße
    Christian

    PS: Heisenberg knüpft nicht an die ungeschriebene Lehre an, mag ich mal eben noch klarstellen, wird von mir etwas zu nah nebeneinander erwähnt.

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  2. Anstatt sich mit den Grenzen vergänglicher Erkenntnis individuellen fraglichen Verstandes sich auseinanderzusetzen, wäre sicherlich sinnvoller sich zu erkennen.

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  3. Pingback: Ich habe als Zeitgenosse geantwortet – Privatsprache

  4. Ich möchte ja nicht meckern, aber es war doch wohl nicht Platon selbst, der »seinen geistigen Nachfahren lediglich noch zugestand, Fußnoten zu seinem philosophischen Werk zu erarbeiten«.

    Vielmehr steht eine Äußerung von Alfred North Whitehead dahinter:
    »“Die sicherste allgemeine Charakterisierung der philosophischen Tradition Europas lautet, daß sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht.“ – Prozeß und Realität (Process and Reality), Teil II, Kapitel 1, Abschnitt 1, S. 91
    (Oft zitiert als „Alle abendländische Philosophie ist als »Fußnote zu Platon« zu verstehen.“)
    (Original engl.: „The safest general characterization of the European philosophical tradition is that it consists of a series of footnotes to Plato.“)«
    So gefunden unter https://de.wikiquote.org/wiki/Alfred_North_Whitehead

    Auch ich bemühe mich mit der Führung einer Philosophischen Praxis darum, im Menschen den vergessenen Philosophen zu wecken und/oder, Wittgenstein hat das, glaube ich, gesagt, das Denken in Gang zu bringen. Und zwar sowohl im Dialog, ganz einer sokratischen Idee folgend, als auch mit Veranstaltungen philosophischen Charakters (‚Philosophisches Café‘).

    Mit dem Kommentar möchte ich zum einen auf Philosophische Praxis hinweisen aber auch dafür plädieren, bei der Übung »Philosophie attraktiv zu vermitteln« nicht zu sehr der Versuchung anheim zu fallen »Philosophie vielleicht so [zu] verkaufen«, dass es anspruchslos wird und sich einem ‚Mainstream‘ (‚bloß nicht zu schwierig…‘) anpasst – polemisch formuliert: des Umsatzes wegen.

    Ich bin kein Nörgler an der akademischen, also wissenschaftlichen Philosophie, auch wenn ich deren Tätigkeit zuweilen für eine Selbstbeschäftigung halte. Was kein abwertendes Urteil ist, sondern ich damit darauf hinweisen möchte, dass genau so das Bild der „Weltfremde“ entsteht: „Da sitzen die Denker*innen in ihren Turmkammern und schreiben sich 200-seitige Briefe, die keiner außer denen selbst versteht,“ könnte ein*e Passant*in sagen, „was soll mir das für mein Leben zeigen können?“

    Dennoch halte ich es für wichtig, sich auch als populär-Philosoph*in und/oder praktizierende*r Philosoph*in (die Bezeichnung »Philosoph*in« adressiert hier vor allen Dingen eine Wesensart) an den Qualitätsmaßstäben der akademischen Philosophie zu orientieren und den Interessierten durchaus auch intellektuell etwas zuzumuten. Sonst läuft diese Weise der Vermittlung einer philosophischen Haltung Gefahr, zu einem allerwelts-Irgendwas zu mutieren: leicht verdaulich, aber letztlich ohne Gehalt.

    Und es wäre schade, den Nährwert des Philosophischen zu sehr zu verdünnen. Am Ende kommt dann eine Homöopathie dabei heraus, die viel mit Glauben (also einer Art Theologie), und wenig mit ‚nicht wissen /können/‘ – höchste sokratische, doch wohl auch Lebens-Kunst – zu tun hat.

    »Philosophie ist Arbeit an einem selbst« soll Wittgenstein gesagt haben. Die Quelle bleibe ich schuldig, es stammt wohl aus einer Notiz; doch im Tractatus findet sich schon ein Hinweis:
    »4.112 Die Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Tätigkeit.«
    Aber nicht jede Arbeit an einem selbst ist gleich schon Philosophie, nicht jedes Grübeln Welterklärung.

    Das sollte jenen, denen man Philosophie oder die philosophische Haltung zu vermitteln sich bemüht, als erstes vor Augen halten. Und durchaus im sich daraus möglicherweise ergebenden Dialog Ansprüche stellen. Nicht nur die Wahrheit ist den Menschen zumutbar; das selber denken, das selbst entdecken von Wahrheiten, auch.

    Sapere aude!

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    • Danke für diesen Kommentar!
      Mir war schon bewusst, dass das mit den Fußnoten nicht von Platon selbst stammt (Gab es damals überhaupt schon Fußnoten? Ich glaube nicht, oder?). Mir war das als sehr bekanntes Zitat geläufig, das ich hier ironisch eingestreut habe. Dass es von Whitehead war, hätte ich allerdings nicht mehr gewusst, daher danke für diese Ergänzung.
      Nach meinem Empfinden hält Daniel Brockmeier sehr gut die Balance zwischen „Philosophie attraktiv vermitteln“ und einen gewissen „Anspruch“. Jedenfalls konnte ich, der ich vielleicht „Philosoph“ (Liebhaber) im Sinne der von Ihnen angesprochenen „Wesensart“ aber keinesfalls im akademischen Sinne bin, aus seinen Videos einiges mitnehmen.
      Ich hoffe, dass es mir beim „selber denken“ hilft.

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    • Hallo Volker,

      sicherlich ein interessanter Diskussions-Zweig, wenn noch mehr Kommentare kommen, ob Philosophie mehr davon provitiert, auf eine leichter verdauliche Ebene gehoben zu werden oder eben nicht. Du würdes wohl sagen, es handelt sich um eine niedrigere Ebene.

      Mir oder ggf. auch Daniel geht es darum, schon einem Schüler zu zeigen, das das nicht altes Krams ist, welches in der Mottenkiste verrotten darf, wissenschaftliche Wahrheit könne man eh erst nach 1900 finden. Oder gar erst nach 2000.

      Philosophische Praxis hat da sicherlich einfach eine andere Zielgruppe. Da mag es um Lebenssinn u. ä. gehen. Dort mag der Anspruch, etwas leichter verdaulich zu sein, dem Zweck der Ernsthaftigkeit tatsächlich nicht nützen. Die Arbeit einer Philosophischen Praxis könnte eher einen eigenen Blog wert sein.

      VG
      Christian

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    • Volker Homann: „Alle abendländische Philosophie ist als »Fußnote zu Platon« zu verstehen.“

      Da ist etwas dran, denn die abendländische „Philosophie“ beschäftigt sich vorwiegend mit Personen und deren Äußerungen, betreibt aber selber keine oder nur sporadisch Philosophie.

      Volker: „das Denken in Gang zu bringen“

      WER das gesagt hat, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, zu realisieren, daß das Denken NICHT identisch mit dem Philosophieren ist!

      Volker: „im Menschen den vergessenen Philosophen zu wecken“

      Das dagegen, klingt ziemlich gut, denn ja, Philosophie ist nicht das Privileg Weniger. Prinzipiell ist jeder einzelne Mensch befähigt, unmittelbar das Feld der Weisheit zu betreten. Hier ist niemand und durch Niemanden ausschließbar.

      Volker: „im Dialog, ganz einer sokratischen Idee folgend“

      Die Mäeutik ist keine „Idee“, sondern eine Technik, sich der eigenen Wahrhaftigkeit zu nähern. Das ist nichts für Weicheier oder für Jedermann! Dem Hörensagen nach wurde Sokrates genau deswegen umgebracht. Das ist nichts für Akademiker, sondern nur für die wenigen Leute, „die es wirklich wissen wollen“. Mäeutik ist nicht einfach ein Dialog. Wer allerdings bereit ist, sein Ego schreddern zu lassen…, kriegt die Eintrittskarte. 😎

      Volker: „Ich bin kein Nörgler an der akademischen, also wissenschaftlichen Philosophie, auch wenn ich deren Tätigkeit zuweilen für eine Selbstbeschäftigung halte.“

      Du meinst, daß dort intellektuelle Selbstbefriedigung stattfindet? Ja, das kann man wohl so sagen. Sie verstehen etwas von dem, was sie dort tun – aber nichts von Philosophie.

      Volker: „an den Qualitätsmaßstäben der akademischen Philosophie zu orientieren“

      Das ist Quark. Eine „akademische Philosophie“ gibt es genau so wenig, wie es ein „akademisches Mitgefühl“ oder ein „akademisches Vertrauen“ geben kann.

      Akademisch und Philosophie gehen nicht zusammen, sie haben nichts miteinander zu tun.

      Die Philosophie kennt nur zwei Maßstäbe…
      Weisheit und (die ihr immanente) Wahrheit.

      Volker: »Philosophie ist Arbeit an einem selbst« soll Wittgenstein gesagt haben.“

      Das ist sie nicht in direkter Weise. Aber durch die Philosophie selbst, durch die Praxis… kann es schon geschehen, daß so ganz nebenher auch etwas stattfindet, was man so nennen könnte. Wer sich strikt an der Wahrheit (dem Fundament der Weisheit) ausrichtet, wird wohl kaum der Selbe bleiben.

      Volker: „Die Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Tätigkeit.“ (– Wittgenstein)

      Das ist wahr.

      In der Philosophie wird nichts gelehrt – eher schon… geleert.
      Philosophie ist ausschließlich (!) Praxis; nichts Theoretisches.

      Volker: „das selbst entdecken von Wahrheiten“

      …damit kommen wir der Philosophie schon wieder näher. 😉

      Bunte Grüße 🌿
      von Nirmalo

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  5. Da hast Du freilich völlig recht, Christian. Intention des Beitrags war darauf hinzuweisen, dass Philosophie auch in einer nicht-wissenschaftlichen Weise praktiziert werden kann, sich also nicht auf Erkenntnistheorie beschränkt. Ist auch eine Tür…

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    • Volker: „dass Philosophie auch in einer nicht-wissenschaftlichen Weise praktiziert werden kann“

      Wieso „auch“? NUR.

      Die Philosophie hat nichts mit dem zu tun, was wir hier heute „wissenschaftlich“ nennen. Sie braucht sich auch nirgends eine Genehmigung einzuholen. Jeder kann sofort damit beginnen.

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  6. Ich krieg nur selten einen Hinweis auf neue Kommentare.

    In einem anderen Blog gibt es Dialoge, da liegen mal 5, manchmal sogar 10 Jahre dazwischen und man hat nicht den Eindruck von „Dekade“. Es gibt eh nur den Moment. Uhr und Kalender sind bloß… funktionierende Modelle. Wenn ich in der Gesellschaft agiere, gibt es (scheinbar) so etwas wie Zeit. Sobald ich genau hinsehe, gibt es NUR den Moment. Aber, wem sag ich das…

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  7. Wenn dir als Mensch die Zeit völlig bedeutungslos ist, dann hängst du liebevoll als Säugling noch an der Brust deiner Mutter und hier tippt jemand anders die Tastatur. Entweder die Oma oder einer der Opas. Aber, wem sag ich das…
    Der Philosoph sinkt und erhebt sich stets auf den Wellen seines Denkens, neigt sich oft stark zur Seite und versinkt schließlich wie die unversinkbare Titanic.

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