Eine Erwiderung auf Michael Klonovsky

Die menschliche Existenz im All: sinnlos oder doch bedeutungsvoll? Wir haben die Wahl!
(Foto: privat)

Der Mensch, dieser Bewohner eines Staubkorns im Kosmos, kann sich über seine offensichtliche Nichtigkeit nur mit Hilfe der Magie des Augenblicks und einer tragikomischen Distanz zu sich selbst hinwegtrösten – so Michael Klonovsky vor wenigen Tagen an dieser Stelle. Doch wie sicher können wir uns hinsichtlich dieser vermeintlich offensichtlichen Nichtigkeit sein? Hier der Versuch eines zweiten Blicks auf Bedeutung oder Nichtigkeit menschlicher Existenz im All.

Da stehen wir nun, in all unserer Nichtigkeit. Der Mensch, diese Bioform, der – frei nach Douglas Adams – auf einem Planeten in einem völlig aus der Mode gekommen Spiralarm einer mittelgroßen Galaxie west, und der so erstaunlich primitiv ist, dass er Foto-Spaß-Apps für einen bedeutenden Fortschritt hält. Oder der, wie der von Michael Klonovsky an dieser Stelle kürzlich zitierte Kultregisseur Stanley Kubrick anno 1968 im Playboy formulierte, für einen Augenblick das Leben einer Mikrobe auf einem Staubkorn fristen darf“.

Das Ende des ptolemäischen Weltbildes

Da hat sich einiges an Frust aufgestaut in den letzten rund 400 Jahren, seit das Ptolemäische Weltbild ins Wanken geriet. Darin hatte die Menschheit noch diesen heimeligen, geozentrischen Platz namens Erde inne, um die herum man alle Planeten, die Sonne und letztlich auch die göttliche Sphäre kreisen ließ. Humanoide Bescheidenheit sieht anders aus. Und so kam es, wie es kommen musste, denn Hochmut kommt vor dem Fall.

Zuerst mussten wir das Zentrum zu Gunsten der Sonne räumen. Als wir uns damit halbwegs arrangiert hatten nach dem Motto „naja, macht nichts, ist ja immerhin unsere Sonne“, kam es noch dicker. Es stellte sich heraus, dass unser Zentralgestirn nur ein durchschnittliches Exemplar von Abermilliarden Sonnen im Universum ist, die sich in Milliarden von Galaxien zusammenballen. Doch wer nun hoffte, wir hätten wenigstens eine zentrale Position innerhalb unserer Galaxie inne, der wurde abermals enttäuscht. Wir befinden uns leider nur in jenem „völlig aus der Mode gekommenen Spiralarm“ im Vorgarten unserer Milchstraße.

So weit, so bekannt. Die Argumente für unsere eigene Irrelevanz sind inzwischen aus den Naturwissenschaften tief in die Feuilletons und den gesellschaftlichen Mainstream eingesickert. Doch gerade das sollte vielleicht zu einem zweiten Blick animieren. Immerhin ist ja seit Kubrick und Adams etwa ein halbes Jahrhundert Forschung ins Land gegangen. Wie steht es also um die Nichtigkeit des Homo Sapiens? Ist er endgültig zum unbedeutenden Zellhaufen geworden? Oder gab es vielleicht eine unerwartete Trendwende? Was würde in diesem Fall aus unserer Bedeutungslosigkeit, an die wir uns gewöhnt und in der wir uns teilweise recht behaglich eingerichtet haben? Wäre ein Beharren auf der Gewissheit von der eigenen Nichtigkeit in diesem Fall vielleicht nur eine besonders subtile Form der Hybris?

Das Universum ist uns auf den Leib geschneidert

Was den „aus der Mode gekommenen Spiralarm“ angeht, kann man die Frage schnell beantworten. Man weiß heute, dass die kosmische Strahlung im Zentrum einer Galaxie zu stark wäre, als dass dort Leben entstehen könnten. Die habitable Zone einer Galaxie rankt sich um eine mittlere Entfernung vom Zentrum. Die Erde befindet sich also durchaus an einem ausgezeichneten Ort innerhalb der Galaxie, auch wenn es sich dabei nicht um das geometrische Zentrum handelt.

Schwieriger ist die Sache mit dem „Staubkorn“. Denn, wenn dem Menschen als Bewohner desselben irgendeine entscheidende Rolle im Universum zukommen sollte, dann ist die Ausgestaltung dieses Universums ja wohl eine ebenso gigantische wie absurde Platzverschwendung. Oder etwa nicht?

Das kommt darauf an! Größe allein ist nicht immer entscheidend (wie man ja auch aus anderen Zusammenhängen weiß). Zum Beispiel ist eine Fabrik, die Computerchips herstellt, riesig im Vergleich zu ihrem Produkt. Trotzdem würde man hier nicht von einer Platzverschwendung reden. Warum? Weil alle Teile der Fabrik notwendig sind und zusammenspielen müssen, um die Chips herzustellen. Die Fabrik wurde gleichsam für den Bau der Chips justiert. Oder anders ausgedrückt: Wenn man möchte, dass die Fabrik Computerchips herstellt, ist man bei deren Bau weitgehend festgelegt. Die Fabrik kann also nur so und nicht anders aussehen.

Es mag verrückt klingen, aber es scheint so, als sei exakt diese Art von Justierung bei unserem Universum vorgenommen worden. Und zwar mit dem Ziel, dass dieses Universum Leben und damit letztlich auch uns hervorbringen kann. Die moderne Kosmologie sagt uns nämlich, dass die Werte der Naturkonstanten dafür mit aberwitziger Exaktheit eingestellt sind – und keiner weiß warum. Würde man beispielsweise bei der Gravitationskonstante auch nur die sechzigste(!) Nachkommastellen verändern, gäbe es gar keine Galaxien – was ja vielleicht noch verschmerzbar wäre. Nur gäbe es damit eben auch keine Negligés und keine Kathedralen. Und natürlich auch keine kubanische Salsa, keinen Tempranillo und keine gepflegten Herrenwitze.

Diese Einstellung der Naturkonstanten zu Gunsten der Entstehung des Menschen wird auch Feinabstimmung des Universums genannt. Dass es sie gibt, bestreitet eigentlich niemand, nicht einmal bekennende Atheisten wie z. B. der im letzten Jahr verstorbene Kosmologe Stephen Hawking. Das Problem dabei: das ganze riecht, ja müffelt geradezu nach einem Gottesbeweis. Hat der Alte das Universum für die Entstehung des Menschen konzipiert, so wie die Konstrukteure die Fabrik zur Herstellung der Chips?

Esoterische Klimmzüge in der Kosmologie

Um diesen fatalen Eindruck zu vermeiden gibt es glücklicherweise die Stringtheorie, die uns erzählt, es gebe ein Multiversum, das aus schlappen 10 hoch 500 parallelen Welten besteht. Nur ganz wenige davon sind für Menschen überhaupt bewohnbar. Doch da wir Menschen nun mal da sind, können wir uns nur in einem dieser wenigen befinden, weshalb wir ein menschenfreundliches Universum mit den entsprechenden Naturkonstanten vorfinden. Voilà!

Ok, das klingt irgendwie tautologisch und ist es vielleicht auch. Vor allem aber hat es einen kleinen Schönheitsfehler: Mit Ausnahme der unsrigen, kann man keine dieser Welten beobachten. Sie können also wählen, ob Sie an die Existenz eines unsichtbaren Schöpfergottes oder an die Existenz von 10 hoch 500 unsichtbaren Universen glauben. Welche Metaphysik hättens denn gern? Naturwissenschaftler jedenfalls müssen sich ihren Atheismus im 21. Jahrhundert hart erarbeiten und mit Hilfe solcher esoterischer Klimmzüge absichern. Das wusste wohl auch Michael Klonovsky, als er schrieb: „Wer die Naturwissenschaften nicht kennt, kann leicht Atheist sein.“

Wissen vorzugeben, das man nicht haben kann, ist jedenfalls ein schönes Beispiel für die in Klonovkys Artikel so treffend umschriebene „Bedeutungshuberei“. Da unterscheiden sich die Pfaffen nicht von den Sternguckern, beide spielen letztlich dieselbe Komödie. Die Tragik der menschlichen Existenz besteht aber vielleicht weniger in ihrer – unerwiesenen – Nichtigkeit, als in der – erwiesenen – Unwissenheit ihres Trägers. Tröstende Gewissheit gibt es allein hinsichtlich der ewigen Präsenz des Augenblicks. Was gibt’s zu trinken? Wir sollten auf den Zweifel anstoßen.

Posted by:Axel Stöcker

Axel Stöcker bloggt seit 2016 über die "großen Fragen". Seine Gedanken zum Problemkreis „Bewusstsein und freier Wille“ – einem Schwerpunktthema des Blogs – hat der „Skeptiker mit Hang zur Romantik“ im Roman "Emilia und andere Welträtsel" verarbeitet, der sich zur Zeit in der Veröffentlichungsphase befindet.

24 Antworten auf „Vom Augenblick und dem Umgang mit der humanoiden Nichtigkeit (2)

  1. Da wird der Sinn des Lebens zum Thema gemacht. Aber egal ob Staubkorn am Rande oder Krone der Schöpfung im Zentrum: Der Sinn des Lebens (d. h.: jeden Lebens!) ist immer das Leben. Also: Macht was draus, für euch und eure Mitgeschöpfe. Darauf kann und soll man getrost und voller Zuversicht anstoßen.

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  2. Das Vorhandensein von Humanoiden macht sicher Sinn, schließlich blicken sie auf eine milliardenlange Entwicklung zurück. Siehe meine Arbeit „Was ist Evolution?“ Unsere Augen sind deshalb entstanden, damit sie den Kosmos erst abzubilden in der Lage sind, um Zeugnis von seiner Existenz zu geben. Schon aus diesem Grund sind wir entschieden bedeutungsvoll, wo immer wir in diesem Kosmos existieren und sei es ein noch so unbedeutender Ast einer Galaxie, denn darauf kommt es nicht an! Alles ist so rätselhaft: Die Entstehung der Welt und all seiner Kreaturen, alle Phänomene, die ursächlich dazu geführt haben, dass Leben entstehen und sich entwickeln konnte. Das alles zeugt von einer gewaltigen, überirdischen Intelligenz, welche man bereits als Gottesbeweis ansehen kann.

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  3. Das Universum, in dem wir uns befinden, ist so beschaffen, dass nach rund 3,5 Mrd. Jahren biochemischer/biologischer Evolution u.a. wir entstehen bzw. uns entwickeln konnten. Das hätte nicht passieren müssen, denn an vielleicht ein paar mehr „Scheidepunkten“ der Evolution als es Atome im Universum gibt, hätte das alles auch einen ganz anderen Verlauf nehmen können. Man denke nur, dass vor rund 65 Mio. Jahren ein kleiner Fremdkörper aus der näheren stellaren Umgebung NICHT in der Region des heutigen Golfes von Mexiko hätte einschlagen müssen – die gesamte biologische Geschichte danach wäre völlig anders verlaufen. Ich fürchte, uns Menschen gäbe es ziemlich sicher gar nicht. (Und das hat so schmerzvoll wenig mit universalen Naturkonstanten eines Universums zu tun…)

    Das Universum ist natürlich „feinabgestimmt“, so funktionieren nun mal physikalische Gesetzmäßigkeiten. Das alles ist logisch und (im Nachhinein) folgerichtig, aber dennoch völlig frei von Bedeutung. Nichts geschieht, um etwas hervorzubringen, nur weil es anderswo nicht genau so hervorzubringen wäre. Wäre das Universum minimal anders beschaffen, wäre was weiß ich entstanden, oder auch nichts Vergleichbares, aber das ist völlig egal, weil ohne Bedeutung.

    Angesichts unserer Evolution stellt sich gar nicht die Frage, wie es sein kann, dass unser Universum genau so entstanden und beschaffen ist, DAMIT wir entstehen konnten. Nicht-kontingent (notwendig und folgerichtig) erscheint das UNS im Rückblick.

    Es macht keinen Sinn, dass das Ei sich fragt, wie es sein kann, dass die Henne exakt so beschaffen ist, dass es entstehen konnte.

    Es gibt ein schönes Beispiel von Hoimar von Ditfurth:

    Es ist gar nicht das Faszinosum oder gar ein unerklärbares Wunder der Evolution, dass unser menschliches Auge sich exakt so entwickelt haben soll, dass es genau im Bereich des sichtbaren Lichts empfindlich ist. Es ist einfach so, dass wir den Bereich, in dem wir visuell wahrnehmen, den „Bereich sichtbaren Lichts“ nennen.

    Man muss auch das Universum bildhaft mal umdrehen, damit es (und die Dinge darin) Sinn macht. Manchmal lautet die Antwort auf solch große Fragen eher „24“ als „42“…

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    1. Ja, ein schönes und für viele Zusammehänge sehr erhellendes Zitat von Hoimar von Ditfurth! Nur leider nicht für diesen, denn der Vergleich hinkt.
      Denn die Frage nach der Empfindlichkeit des Lichts können wir ja beantworten, wenn wir die Perspektive wechseln. Auch wenn wir die Evolution nicht direkt beobachten konnten, gibt es doch genügend Indizien dafür, dass das Auge „so“ sieht, weil es sich im Laufe der Evolution dem Sonnenlicht angepasst hat. Die Frage des Eis (bzw. des aus ihm geschlüpften Kükens) hat in diesem Fall also durchaus einen Sinn – und sie bekommt sogar eine plausible Antwort.
      Bei der Feinabstimmung des Universums haben wir das leider nicht. Hier liefert uns der Perspektivenwechsel keine Erklärung und so sind wir auf’s Spekulieren angewiesen. Phantasieren wir Myriaden von Paralleluniversen herbei oder doch lieber eine schöpferische Kraft?
      Oder lieber gar nicht fragen? Wenn Du mich fragst: auch keine Lösung!

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    2. Ja, wir Menschen neigen gerne zur Kausalitätsumkehr und sagen, wie konnte es sein, dass wir entstanden sind, das kann kein Zufall sein. Es ist der immer gleiche post-hoc Wahrscheinlichkeitsfehler.
      Nehmen wir an, dass jemand 13 Karten von einem Kartenspiel mit 52 Karten hat.
      Wenn man die Wahrscheinlichkeit dieses speziellen Ereignisses nachträglich berechnet und davon ausgeht, dass alle Kartenkombinationen gleich wahrscheinlich sind, ist das Ergebnis ungefähr eins zu 4 x 10 hoch 21 (d.h. ungefähr eins zu 4 Milliarden Billionen).
      Dabei sind diese 13 Karten einfach nur zufällig beim ausgeben zusammengekommen. So einfach kann es sein. Und daraus machen religiöse und spirituelle Menschen ein riesengroßes Mysterium.

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      1. Nur leider lässt sich dieses Argument gerade nicht auf die Feinabstimmung übertragen, jedenfalls dann nicht, wenn wir wissenschaftlich (also empirisch-evidenzbasiert) und nicht metaphysisch argumentieren wollen.
        Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die 52 Karten haben wir vor uns auf dem Tisch liegen, wir können sie beobachten. Bei Universen können wir aber nur ein einziges beobachten. Ob die anderen existieren, ist Spekulation.
        Anders ausgedrückt: Der Wahrscheinlichkeitsbegriff hat nur einen Sinn, wenn es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt. Sobald man also bei der Feinabstimmung mit Wahrscheinlichkeiten argumentiert, setzt man implizit etwas voraus, dessen Existenz man nicht beweisen kann. Da haben der Schöpferglaube und die Multiversumstheorie bei allen Unterschieden dann also doch noch etwas gemeinsam 😉.

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      2. Warum sollten denn für das Universum andere stochastische Regeln gelten, als für die biologische Evolution? Wäre das Universum anders „abgestimmt“, hätten wir ein anderes Universum oder gar keines. Vielleicht hätte es nach dem Urknall puff gemacht und alles hätte sich in Nichts aufgelöst. So what?

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      3. Wie gesagt, wer stochastische Regeln verwendet, der muss begründen, warum sie überhaupt anwendbar sind. Bei den Spielkarten ist das offensichtlich, beim Universum dagegen überhaupt nicht.

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      1. Nein. Das Argument verstehe ich nicht. Ich denke darüber nach, welchen Glaubenssatz du damit retten willst.🤨

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      2. Eigentlich keinen 😀.
        Ein Beispiel aus einem anderen Bereich: Bevor Du eine Normalverteilung anwendest, musst Du nachweisen, dass die entsprechende Größe tatsächlich normalverteilt ist.
        Das Problem besteht grundsätzlich, wenn man Mathematik auf die Realität anwendet.

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      3. Ich verstehe deine Argumentation nicht. Ich habe versucht zu zeigen, dass eine post-hoc Wahrscheinlichkeit unsinnig ist, und dass genau so die intelligent design Leute argumentieren. Genau diese Logik lässt sich auch auf das Universum anwenden. Wo soll da der Unterschied sein? „Normalverteilung“ hat doch mit diesem Thema überhaupt nichts zu tun.

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      4. Post-hoc funktioniert, wenn Du zeigen kannst, dass es sehr viele Möglichkeiten gab und Du eben eine davon bekommen hast. Das funktioniert aber bei EINEM Universum nicht. Du musst also an die Existenz der anderen glauben.

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      5. Ich weiß jetzt, wo der Fehler liegt: es geht nicht um die Wahrscheinlichkeit, mit der unser Universum aus vielen ausgewählt wurde, sondern darum, ob es sich bei unserem – und nur da – um Zufall handelt oder nicht. Und wenn man diese Wahrscheinlichkeit post-hoc beantworetet, macht man einen Fehler.
        Lassen wir die Mathematik einfach weg und sagen:
        der Status ist, dass auf dem Planeten Erde Menschen existieren. Ist dieser Status das Ergebnis von Zufall oder hat dieses Ergebnis jemand intendiert, wie es intelligent design behauptet.
        Diese Frage können wir auch für das Universum stellen: Ist der derzeitige Status des Universums Ergebnis von Zufall oder hat ihn jemand intendiert. Jemand steht hier für eine höhere Macht.
        Nach allem, was wir wissen und wie wir wissenschaftlich an solche Fragen herangehen, müssen wir von Zufall ausgehen, da die Annahme einer höheren Macht ein Glaubenssatz ist, der weder bewiesen werden kann, noch falsifizierbar ist. Von daher ist es redlich, diese Macht nicht in eine Argumentation einzubinden. Tut man es dennoch und argumentiert post-hoc, begeht man diesen logischen Fehler, der darauf beruht, dass man ein Ergebnis von hinten betrachtet und unterstellt, es wäre so gewollt und dabei natürlich auf eine extrem geringe Wahrscheinlichkeit trifft.
        Dafür braucht man keine anderten Universen.

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      6. Ehrlich gesagt überzeugt mich diese Argumentation nicht. Es geht auch m. E. zunächst gar nicht um die Frage, ob das Universum nun intendiert oder zufällig enstanden ist (das kommt sozusagen erst „hinterher“ als philosophische Interpretation), sondern schlicht darum, ob die Feinabstimmung erklärungsbedürftig ist. Das bestreitest Du ja, wenn ich es richtig verstehe. Aber da hat nun neben anderen der bekennende Atheist Stephen Hawking festgestellt, dass dem so ist. Auch Thomas Naumann hat das in unserem Interview anerkannt.
        Deiner Argumentation liegt zugrunde, dass es wissenschaftlich sei, an einen aberwitzig unwahrscheinlichen Zufall zu glauben (an den z. B. ein Stephen Hawking nicht glaubte), aber unwissenschaftlich an eine schöpferische Kraft zu glauben. Wenn das Deine Ansicht ist, okay. Aber es hat nichts mit post-hoc zu tun. Meiner Ansicht nach sind beides metaphysische Argumente. Und – wie gesagt – es gibt viele atheistische Kosmologen, die Deine Ansicht nicht teilen würden.

        „Wie schrieb schon der kürzlich verstorbene Star-Physiker Stephen Hawking in seinem bereits 1988 erschienenen Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“: Es ist bemerkenswert, dass die physikalischen Bedingungen scheinbar sehr fein aufeinander abgestimmt wurden, damit sich Leben entwickeln kann.“

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      7. Du schreibst:“Deiner Argumentation liegt zugrunde, dass es wissenschaftlich sei, an einen aberwitzig unwahrscheinlichen Zufall zu glauben (an den z. B. ein Stephen Hawking nicht glaubte), aber unwissenschaftlich an eine schöpferische Kraft zu glauben.“

        Im Umkehrschluss sagst du
        1. unsere Existenz sei ein unwahrscheinlicher Zufall (was Hawking so nie gesagt hat). Damit argumentierst du exakt post-hoc.
        2. es wäre unwissenschaftlich, nicht an eine schöpferische Kraft zu glauben.
        Du kannst natürlich glauben, an was du willst. Nur kannst du das nicht Wissenschaft nennen. An Gott zu glauben ist Religion.

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      8. Das geht jetzt ein bisschen durcheinander. Halten wir nochmal fest:
        1. Feinabstimmung ist erklärungsbedürftig – da stimme ich mit Hawking überein. Du?
        2. Ein aberwitziger Zufall wäre eine mögliche Erklärung dafür – die aber weder Hawking noch mich überzeugt. Dich?
        3. Aberwitzige Zufälle und schöpferische Kräfte sind beides metaphysische, aber keine wissenschaftlichen Argumente. Das ist meine Meinung. Was denkst Du?
        4. Ein Muliversum gibt eine Erklärung, ohne einen aberwitzigen Zufall bemühen zu müssen – Hawkings Favorit. Da es nicht beobachtbar ist, ist es aber ebenfalls Metaphysik – meine Meinung. Deine?

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      9. 1. Warum sollte Feinabstimmung erklärungsbedürftig sein. Hawking sagt das an keiner einzigen Stelle. Er ist lediglich beeindruckt, das ist etwas völlig anderes. Im übrigen stehe ich nicht auf argumenta ad verecundiam.

        2. Es gibt keinen aberwitzigen Zufall. Es ist derselbe Zufall, wie der, welcher dir ein bestimmtes Kartenblatt beim Kartenspiel zuweist. Also ein völlige Banalität. Wenn du von aberwitzig sprichst, ist das post-hoc!

        3. siehe 2.

        4. Multiversen haben nichts mit meiner Argumentation zu tun. Hawking spricht übrigens vom Nichts, bevor es den Urknall gab.

        Ich denke, ich habe jetzt genug argumentiert und sehe an dieser Stelle keine weitere Möglichkeit mehr.

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      10. Lieber Axel,

        ob Kartenspiel, Evolution oder Universum, es stellt sich immer die Frage, ist das Ergebnis Folge von Zufall oder hat da jemand seine Finger im Spiel.
        Stell dir vor, ein lieber Gott kreiert ein Universum nicht wie ein Bildhauer, sondern drückt gelangweilt auf den Knopf eines Zufallgenerators, der Universen generiert, aber immer nur eins. Der liebe Gott schaut dabei nur zu und freut sich. Mal verpufft ein Ubiversum sofort wieder, mal hält es länger. In seltenen Fällen organisiert sich die entstande Materie selbst zu etwas, das eigenständig evolviert und in sehr sehr seltenen Fällen entwickelt diese selbstorganisierte Materie – nennen wir es Leben – eine Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken. Dann sagen diese Wesen, es könne doch kein Zufall sein, dass sie existieren, denn das Univewrsum wäre ja so abgestimmt, dass sie existieren könnten. Der liebe Gott will ihnen dann immer zurufen, Leute, natürlich ist das Universum so abgestimmt, dass ihr leben könnt, sionst würde es euch gar nicht geben, es ist purer Zufall, dass es euch gibt, ihr leidet wieder mal am post-hoc Syndrom. Aber dann sagt er sich, denkt doch, was ihr wollt, ändert sowieso nichts an eurer Existenz.

        Post-hoc Wahrscheinlichkeitsberechnung heißt also, im Nachhinein das Ergebnis zu bewerten und zu unterstellen, es wäre kein Zufall, also die Argumentation in das Gegenteil zu verkehren.
        Mit Multiversen oder der Meinung Hawkings hat das überhaupt nichts zu tun.
        Nur nebenbei: ersetze den lieben Gott durch das Nichts, und du hast exakt Hawkings Meinung zum Thema „wie entstand das Universum“.

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      11. Lieber Wolfgang,
        die Diskussion dreht sich ein bisschen im Kreis. M. E., weil Du den entscheidenden Punkt nicht siehst.
        Ich will noch einmal versuchen, zu erklären, was ich meine:
        Der Begriff Wahrscheinlichkeit hat nur einen Sinn, wenn man – wie beim Kartenspiel – mehrere Möglichkeit zur Auswahl hat. Dann kann man jeder Möglichkeit eine Wahrscheinlichkeit zuordnen. Bei einem Kartenspiel mit nur einer einzigen Karte ergibt Wahrscheinlichkeitsrechnung keinen Sinn (du hättest nur die Wahrscheinlichkeit 1, diese Karte zu ziehen und das war’s).

        Kartenspiel und Universum sind also dann – aber eben NUR dann – vergleichbar, wenn es mehrere Universen gibt, zwischen denen man wählen kann. Also: Kein Multiversum, keine Wahrscheinlichkeit. Keine Wahrscheinlichkeit, kein post-hoc.

        Du siehst es ja auch an Deiner Argumentation: Im oberen Absatz argumentierst Du mit verschiedenen Universen und im zweiten Absatz schreibst Du, es hätte mit einem Multiversum nichts zu tun. Davon abgesehen kenne ich auch keinen Kosmologen, der die Feinabstimmung nicht als Problem sieht und so argumentiert wie Du. Es mag sein, dass es einen gibt, aber unter den bekannten glaube ich nicht. Wenn die Lösung tatsächlich so einfach wäre, gäbe es vermutlich auch die ganze endlose Diskussion um das anthropische Prinzip und die „Eleganz-genügt-Diskussion“ in der Stringtheorie nicht. Du siehst, wir sind nicht die einzigen, bei denen es ein bisschen im Kreis geht 😉.

        Aber wenn es für Dich kein Widerspruch ist, ist das für mich okay. Ich will Dich ja nicht missionieren 😃.
        Schöne Grüße
        Axel

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      12. Lieber Axel,
        ich denke, du verstehst nicht, dass es sich nicht um mehrere Kartenspiele handelt, sondern um mehrere Karten. Und dabei handelt es sich um die Kombination, so wie es sich bei der Evolution um die Kombination von Biomolekülen handelt und beim Universum um die Zusammensetzung der Materie (Feinabstimmung). Bei allen dreien ist das jetzt zu konstatierende Ergebnis einer Entwicklung auf Zufall zurückzuführen.
        Um die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Kartenblattes zu berechnen, reicht ein Blatt mit verschiedenen Karten aus.
        Stell dir vor, wir spielen Karten, ich gebe und du schaust dir dein Blatt an. Und dann beschwerst du dich und sagst, ich hätte manipuliert. Und ich sage, nein, dein Blatt ist Zufall, ich habe nicht meine Finger im Spiel. Dann sagst du, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich vier Asse und vier Buben und vier xyz habe, ist verschwindend gering. Das kann nicht sein. Dann sage ich, aber ich habe nicht manipuliert, es ist Zufall. Du behauptest aber steif und fest, es kann kein Zufall sein. Das nennt man dann post-hoc.
        Und haargenauso verhält es sich mit einer (unterstrichen) Evolution und einem (unterstrichen) Universum. Versteht du es jetzt?

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      13. Lieber Wolfgang,
        nein, aber ich habe jetzt eingesehen, dass Dein Standpunkt der richtige, auch wenn ich ihn nicht verstehe.
        Deswegen beenden wir an dieser Stelle die Diskussion.
        Ich wünsche Dir schöne Feiertage.

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