Was ist spannender? Einen Mörder zu überführen oder ein Paralleluniversum nachzuweisen? Man muss sich nicht entscheiden, wie Ilja Bohnet zeigt. Er schreibt sowohl Kriminalromane, als auch Bücher über das Universum. Erst im Februar hatten wir an dieser Stelle das Interview mit ihm über die großen Fragen der Physik. Für das kommende Jahr ist nun schon das nächste Buch über das „rätselhafte Universum“ angekündigt. Ob es auch wieder einen Kriminalroman geben wird? Lassen wir uns überraschen. Einstweilen kann man sich hier ein Bild davon machen, wie jemand tickt, der zu so unterschiedlichen Themen schreibt. Ilja Bohnet hat uns die „großen Fragen“, die wir in der Rubrik Zeitgenossen antworten immer wieder interessanten Persönlichkeiten stellen, beantwortet.

Ilja Bohnet

Wofür lassen Sie alles stehen und liegen?

Für die »Ligne Claire« und den »Film Noir«.

Welche Themen interessieren Sie am meisten?

Ich interessiere mich für die Dinge, die schieflaufen im Leben, für das Stolpern durch den Lebensalltag, für das Loriotsche Missverstehen. Und besonders für die Tragikomödie – weil sie einen augenzwinkernden Ausblick verheißt – die Hoffnung nämlich, dass am Ende doch noch alles gut wird.

Welcher Wissenschaftler fasziniert Sie besonders?

Anlässlich seines 200. Geburtstages in diesem Jahr: Hermann von Helmholtz, dem Vollender der Klassischen Physik und Begründer des modernen Wissenschaftsbetriebs.

Und welcher Philosoph?

Immanuel Kant mit seinen Überlegungen zu »Raum und Zeit« und der Erkenntnis: »Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht […]: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.«

Welche drei Bücher würden Sie den Lesern des Blogs der großen Fragen empfehlen?

Dieter B. Herrmann: »Die Harmonie des Universums – Von der rätselhaften Schönheit der Naturgesetze.« Kosmos, Stuttgart 2017.

Richard B. Middleton: »Das Geisterschiff – Dreizehn Stories.« Steidl Verlag, Göttingen 2020.

Und demnächst (Frühjahr 2022):

Ilja Bohnet & Thomas Naumann: »Das rätselhafte Universum – Die fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft.« Kosmos, 2022.

Welche Musik mögen Sie?

Jazz von Krzysztof Komeda, insbesondere die Filmmusik zu »Cul-de-Sac« von Roman Polanski.

Auf welchem Gebiet herrscht heutzutage die größte Unwissenheit?

Auf dem Gebiet der Teilchenphysik. Nur 5 % des Universums sind halbwegs verstanden.

Was macht eine Frage bedeutend?

Wenn die Antwort auf eine Frage zu einem grundsätzlichen Erkenntnisfortschritt führt. Oder aber das Ausbleiben der Antwort (im Falle bspw. eines fundamentalen Rätsels) eine grundsätzliche Lücke des Wissens verdeutlicht. 

Eine Fee verspricht Ihnen die Antwort auf eine beliebige Frage. Was fragen Sie?

Leben wir in einem Multiversum?

Wo sehen Sie Grenzen menschlicher Erkenntnis?

Im Bereich der Planck-Skala (bzw. der Quantengravitation), wenn die Kant’schen Voraussetzungen unseres Denkens »a priori« nicht mehr gelten und die Reihenfolge von Ursache und Wirkung aufgehoben ist. 

Jemand erklärt Ihnen, die Frage nach Gott sei belanglos. Was antworten Sie?

Das mag für die Zeit nach dem Urknall gelten. Aber was sich davor abgespielt hat, bleibt ein Geheimnis.

Welche Bedeutung hat der Tod für Sie?

Der Tod ist essentiell für das Leben und die Evolution des Lebens. Für den Menschen bedeutet der Tod eine unerträgliche Zumutung, die er ein Leben lang verdrängt – bis es soweit ist und der Tod unausweichlich vor ihm steht.

***

Ilja Bohnet hat in Physik promoviert und arbeitet als Forschungsbeauftragter bei Deutschlands größter Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft. Er schreibt Sachbücher (demnächst erscheint »Das rätselhafte Universum – Die fundamentalen Fragen der modernen Wissenschaft«, zusammen mit Thomas Naumann), aber auch Kriminalromane und Kurzgeschichten. Außerdem betreibt er einen persönlichen Blog.

Posted by:Axel Stöcker

Axel Stöcker bloggt seit 2016 über die "großen Fragen". Seine Gedanken zum Problemkreis „Bewusstsein und freier Wille“ – einem Schwerpunktthema des Blogs – hat der „Skeptiker mit Hang zur Romantik“ im Roman "Die Hirnkurve der Liebe" verarbeitet, der sich zur Zeit in der Veröffentlichungsphase befindet.

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