Das letzte Geheimnis

Warum es ein Segen sein könnte, dass wir die Natur des Bewusstseins nie verstehen werden

„Etwas zu wissen ist gut, aber alles zu wissen, ist besser!“ – Eamon Bailey, Chef von „The Circle“ (gespielt von Tom Hanks)

The Circle – so heißt ein Millionenbestseller aus dem Jahre 2013 von Dave Eggers. Sprachlich eher Hausmannskost (nichts gegen Hausmannskost) und an der Unterkomplexität seiner Figuren leidend, ist er dennoch recht spannend zu lesen. Und er spricht er wichtiges Thema an: die digitale Erfassung der realen Welt.

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Was ist Evolution? (1) – Ein neuer Blick auf die Herkunft des Lebens

Ein Gastbeitrag von Helmut Pfeifer

Gott erschafft Adam; Stammbaum des Homo Sapiens – Der Blick auf den Menschen änderte sich durch die Evolution radikal

Gott hat den Menschen in seiner heutigen Gestalt vor 10 000 Jahren erschaffen! Dieser Meinung sind gut 40 Prozent aller US-Amerikaner. Ein Wert, der sich seit den Achtzigern kaum geändert hat. In muslimischen Ländern ist diese Ansicht noch wesentlich weiter verbreitet. Und sogar im säkulareren Deutschland stimmen einer solchen Aussage immerhin noch 20 Prozent zu (Umfrage von 2009).

So zentral der Gedanke der Evolution für die Wissenschaft ist, so unvollständig ist ganz offenbar der Siegeszug dieser Theorie, der erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Anfang nahm. Wenn es um seine eigene Herkunft geht, ist der Mensch eben empfindlich gegenüber Kränkungen. Doch auch von nichtreligiöser Seite gibt kritische Stimmen zu Abstammungslehre.

Grund genug, der Frage, was Evolution eigentlich meint und wie diese Theorie entstanden ist, genauer nachzugehen. Helmut Pfeifer tut dies in seiner mehrteiligen Reihe. Weiterlesen

Hawkings Bluff (2) – Von Einhörnern und parallelen Welten

Teil 2: Warum es keine Creatio ex theoria gibt

Phantastische Ideen: Multiversum und Einhorn

(Den 1. Teil des Beitrags findet man hier.)

Eine „Theorie von Allem“, eine „Weltformel“, das wär’s doch. Glaubt man Stephen Hawking und anderen, so gibt es dafür einen vielversprechenden Kandidaten, die M-Theorie. Wofür das M dabei steht, ist nicht so ganz klar. Es könnte aber, wie eher scherzhaft eingeräumt wird, für magisch, geheimnisvoll (engl.: mystery) oder Mutter stehen[i]. Letzteres würde bedeuten, dass es sich dabei um die Mutter aller Theorien handelte, was insofern ganz passend wäre, als es sich bei der M-Theorie um keine einheitliche Theorie, sondern um eine Familie aus verschiedenen Stringtheorien handelt.

Der Ausdruck „Theorie von Allem“ ist allerdings etwas irreführend, denn Sie könnten mit Hilfe dieser Theorie, so es sie gäbe, beispielsweise nicht die Lottozahlen vom nächsten Samstag berechnen oder den künftigen Verlauf der biologischen Evolution vorhersagen. Aber man könnte alle bekannten Naturkräfte einheitlich beschreiben. Und das wäre ja schon mal was.

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Der delische Raumzeittaucher

Christian Bührig, Blogger

Bloggt über Philosophie und Quantentheorie: Christian Bührig

Keine Denkverbote, aber auch keine haltlosen Spekulationen – so habe ich das Motto des Blogs einmal zusammengefasst. Man könnte auch sagen: Bitte einen Bezug zur Realität, aber nicht die ausgelatschten Pfade des gerade geltenden wissenschaftlichen Paradigmas breittreten. Unsere Leser erwarten schon eine gewisse Grenzerfahrung, eine Infragestellung des Gewohnten oder eine ungewöhnliche Perspektive und ja, vielleicht auch einen Hauch Metaphysik.

In der Rubrik Zeitgenossen antworten (die ich vielleicht irgendwann noch in Typen statt Theorien umbenennen werde) sind daher Personen willkommen, die diesem doppelten Standard gerecht werden. Das ist dieses Mal vielleicht sogar in besonderem Maße der Fall.

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Die Quantentheorie und der Kampf um die Seele der Physik

Ein Gastbeitrag von Christian Bührig

Solvay 1927_1

Teilnehmer der Solvaykonferenz 1927 – Die „Quantenkritiker“: Einstein (1. Reihe, Mitte), Schödinger (3. Reihe, Mitte); die „Quantenfreaks“: Bohr (2. Reihe, ganz rechts), Heisenberg und Pauli (3. Reihe, 3. u. 4. v. rechts)

A. Einleitung von Axel Stöcker

Von allen naturwissenschaftlichen Theorien ist die Quantentheorie jene, die am besten empirisch bestätigt wurde. Und sie ist wohl auch die Theorie, die am meisten technisch angewendet wird. Von der Neonröhre bis zum Computer, von der Quantenkryptographie bis zur Photovoltaik, alles beruht auf Quanten.

Doch so souverän man die Theorie in der Praxis auch beherrscht, so unsicher ist man sich nach wie vor in der Frage, wie ihre theoretischen Grundlagen eigentlich zu interpretieren sind. Zugespitzt formuliert gleicht die Quantentheorie einer großen Black Box, die perfekte Ergebnisse liefert, aber deren Inneres ein großes Rätsel darstellt. Was bedeuten all die Wellenfunktionen, Matrizen und Operatoren eigentlich? Repräsentieren sie physikalische Realitäten, oder sind es lediglich raffinierte mathematische Simulationen?

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Relativitätstheorie (3) – ein neues Bild der Gravitation

Ein Gastbeitrag von Helmut Pfeifer

Raumkrümmung

Raumkrümmung – in Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie ist die Gravitation keine Kraft, sondern eine Eigenschaft der Raumzeit

Im zweiten Teil ging es um Einsteins Spezielle Relativitätstheorie. In diesem dritten und letzten Teil von Helmut Pfeifers Serie geht es um die Allgemeine Relativitätstheorie, die sich im Gegensatz zur speziellen RT auch mit beschleunigten Bewegungen befasst. Was sich wie eine physikalische Spitzfindigkeit anhört, hatte es in sich und forderte Einstein über zehn Jahre lang alles ab. Am Ende stand nicht nur eine Beschreibung beschleunigter Bewegungen, sondern auch eine völlig neue Vorstellung von der Natur der Gravitation. Und sie machte Einstein endgültig berühmt. Weiterlesen