Der Mensch ist eine Maschine, ein Bio-Roboter. Das ist trivial. Wer im Biologieunterricht ein wenig aufgepasst oder schon Mal einen Gesundheitsratgeber gelesen hat, weiß das.
Nicht trivial ist dagegen die Frage, ob sich der Mensch auf seine Maschinenhaftigkeit reduzieren lässt. Also: Ist er nichts anders als ein Bio-Roboter oder ist er unter anderem auch ein Bio-Roboter?
Harald Lesch ist Kult. Seit der Astrophysiker, der im Nebenfach auch Philosophie studiert hat, 1998 begann, in der Sendereihe alpha-Centauri astronomische Themen zu präsentieren, ging es mit seiner Bekanntheit eigentlich nur noch bergauf. Sein Präsentationsstil ist ebenso überzeugend wie anachronistisch: Im Zeitalter von Multimedia und 3-D-Simulatonen setzt der gläubige Protestant auf – den Monolog. Allenfalls unterstützt durch ein paar Striche an der Schiefertafel.
New Age – das stand bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts für gesellschaftliche Veränderungen im Zeichen des anbrechenden Wassermannzeitalters: ganzheitliche Medizin, spirituelle Erleuchtung, Räucherstäbchen, Yin und Yang… Selbst an den Naturwissenschaften ging das nicht spurlos vorüber. „Wendezeit“ und „Das Tao der Physik“ hießen damals Bestseller des Physikprofessors Fritjof Capra, in denen er die Überbetonung des Yang-Prinzips in der Wissenschaft kritisierte und eine philosophische Konvergenz zwischen moderner Physik und östlicher Mystik forderte. Im Nachhinein lässt sich sagen: Verändert hat das die Naturwissenschaft wenig. Die wissenschaftliche Theoriebildung blieb davon sogar völlig unberührt.
Doch im neuen Jahrtausend führen neue Versuchungen auch zu neuen Versuchen die Physik zu esoterisieren – wenn auch aus einer ganz anderen Richtung und aus völlig anderen Motiven. Die Protagonisten des „neuen New Age“ der Physik kommen aus dem Zentrum der Forschung und könnten daher dieses Mal mehr Erfolg haben. Es sind vor allem theoretische Physiker und Kosmologen wie Stephen Hawking und Max Tegmark, die der „Bewegung“ anhängen. Zu den „neuen Capras“ gehört auch der britische Physiker Robert Matthews, dessen Ideen man unlängst in Spektrum der Wissenschaft (Spektrum Highlights 1.17 – Reise durch das Quantenuniversum) lesen durfte. Formulierungen wie, man solle Poppers Kriterium der Falsifizierbarkeit „lockerer nehmen“ und stattdessen die „relative Plausibilität“ von Theorien „abschätzen“, lassen Schlimmes befürchten. Denn: Wenn sich heutzutage ein Laie darauf verlassen kann, dass dort wo „Wissenschaft“ draufsteht auch tatsächlich Wissenschaft drin ist, so ist dies wesentlich den Kriterien des österreichisch-britischen Philosophen Karl Popper zu verdanken.
„Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus!“ – „Kränker“ Sigmung Freud (Bild: pixabay.com)
Angenommen, das Universum wäre eine Party und die Menschheit gehörte zu den geladenen Gästen. Wo hielte sich dieser Gast auf? Im Mittelpunkt des festlichen Geschehens oder eher zwischen Ausgang und Klotür? Nun, bekanntlich wähnte sich der Homo Sapiens lange Zeit im Zentrum der angesagtesten Tanzfläche wo die Götter die Musik auflegten, er aber selbst weitgehend das Abendprogramm bestimmen konnte. Es schien auch gute Gründe für diese Ansicht zu geben, bis ihm ein paar Spaßbremsen namens Kopernikus, Darwin und Freud die Partylaune gründlich vergällten.
Ein Interview mit dem Autor Dr. Murat Karul über die neurophysiologischen Grundlagen des freien Willens
Wer sich mit der Frage des freien Willens aus naturwissenschaftlicher Sicht befasst, stößt unweigerlich auf den Namen Benjamin Libet. Der US-amerikanische Physiologe führte Anfang der 1980er Jahre ein Experiment durch, das den freien Willen als Illusion entlarvt – so zumindest die Meinung zahlreicher Kommentatoren aus Wissenschaft und Medien (siehe z. B. hier und hier). Nun sind inzwischen ein paar Jährchen vergangen und die Forschung ist mit Nichten stehen geblieben. Seither und auch schon davor wurden weitere Experimente durchgeführt, die ein komplexes Bild des – vermeintlich oder tatsächlich – freien Willens zeichnen. Die wenigsten dieser Experimente werden jedoch berücksichtigt, wenn zum Beispiel öffentlichkeitswirksam Konsequenzen für das Strafrecht aufgrund neurobiologischer Erkenntnisse zum freien Willen gefordert werden. Das neue Buch von Dr. Murat Karul könnte hier Abhilfe schaffen. Rasterfahndung per Kernspintomograph? weiterlesen
Nicht nur für Mathematiker, sondern auch für Philosophinnen inspirierend: der Torus
Truth doesn’t make a noise – Wahrheit macht keinen Lärm. Das könnte ein zentrales Problem sein, das uns in dieser aufgeheizten Zeit der „Postfakten“ und der „Lügenpresse“ immer wieder auf die Füße fällt: Was keinen Lärm macht, macht keine Auflage und keine Klickzahlen – jedenfalls nicht auf die Schnelle. Kann man da in Zeitungen und auf kommerziellen Webseiten überhaupt die reine Wahrheit erwarten? Die Lautlose weiterlesen
Das Zitat im April – Leonhard Euler (Foto: screenshot YouTube)
Heute vor 310 Jahren wurde der Mathematiker Leonhard Euler geboren. Ein Streitgespräch über die Existenz Gottes mit dem französischen Gelehrten Denis Diderot soll er durch diesen Satz erfolgreich beendet haben. Haben Mathematiker einen besonderen Zugang zu Gott?
Die sprachlich einfachen Fragen sind oft die schwierigsten und zugleich die bedeutendsten. Zum Beispiel: Existiert Gott? Die Größe der Bedeutung dieser Frage wird allenfalls noch durch ihr Maß an Unschärfe übertroffen, denn weder ist klar, wer oder was „Gott“ sein soll noch, was in seinem Zusammenhang mit dem Begriff „Existenz“ gemeint sein könnte.
So ist es kein Wunder, dass die Feststellung, weder die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes sei beweisbar, inzwischen zu einer Binsenweisheit geworden ist und verschiedene Gruppen unterschiedlichen Gottesvorstellungen huldigen.
In jüngerer Zeit organisiert sich in diesen Zusammenhang eine weitere Gruppe: die Atheisten. Natürlich brauchen auch sie, so wie die anderen Gruppen, ein Alleinstellungsmerkmal. Abgesehen davon, dass sie natürlich jedwede Gottesvorstellung ablehnen, besteht es darin, dass sie nur das glauben, was sie als „bewiesen“ betrachten. Daher sind Atheisten in der Regel wissenschaftsnah. Sie lehnen bildhafte, mythologische Darstellung ab und bevorzugen in Diskussionen klar definierte, wissenschaftliche Begriffe.