Nachtzug ins Unerklärliche

Warum das Bewusstsein ein Rätsel ist

Sehen wir alle dasselbe, wenn wir „rot“ sagen? (Bild: youtube screenshot)

Im Jahre 2004 erschien der Roman Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier. Es sollte ein Weltbestseller werden, der in 32 Sprachen übersetzt und 2013 schließlich auch verfilmt wurde.

Über eine seiner Hauptfiguren, Amadeu de Prado, einen charismatischen portugiesischen Arzt zu Zeiten der Salazar-Diktatur, heißt es darin „…er war unersättlich in seinem Bedürfnis nach Erklärungen, und es muß im Hörsaal dramatische Szenen gegeben haben, wenn er mit seinem unerbittlichen kartesischen Scharfsinn darauf hinwies, daß etwas, was als Erklärung ausgegeben wurde, in Wirklichkeit keine war.

Pascal Mercier ist ein Pseudonym, hinter dem sich der Schweizer Philosoph Peter Bieri verbirgt. An welche Pseudoerklärung er beim Schreiben dieser Zeilen dachte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, aber es ist gut möglich, dass er sich von den heutigen „Erklärungen“ für das Phänomen Bewusstsein inspirieren ließ. Denn auch über das Bewusstsein hat Bieri geschrieben und die fundamentalen Probleme bei der Erklärung desselben in einem prägnanten Trilemma zusammengefasst.

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Warum die Physik die Psyche nicht erklären kann

Ein Gastbeitrag von Robert Harsieber

W. Pauli (oben) und C. G. Jung suchten in ihren Gesprächen unter anderem nach einer gemeinsamen Sprache für Physik und Psychologie (Fotos: Youtube-screenshots)

Welche Lektüren rollen Ihnen die Zehennägel hoch? Ganz vorne dabei sind für mich jene, in denen esoterische Ableitungen aus naturwissenschaftlichem Halbwissen gezogen werden. Dabei sind die Schlussfolgerungen in der Regel umso gewagter, je komplexer die missbrauchte Theorie und je oberflächlicher das Wissen über selbige ist. Beliebt sind besonders die Relativitätstheorie (Alles ist relativ – hat Einstein gesagt!) und die Quantentheorie (Sie ermöglicht die Materialisierung persönlicher Wünsche, wie man dem Weltbestseller „The Secret“ entnehmen kann, was zumindest für die finanziellen Wünsche des Autors jenes Werks kaum bestritten werden kann).

Und dennoch kann gerade bei der Quantentheorie kein Zweifel darüber bestehen, dass sie neben einer hervorragend funktionierenden naturwissenschaftlichen Theorie eben auch eine ist, die philosophische Fragen aufwirft, die bis heute nicht befriedigend geklärt sind. Hinzu kommt, dass einige der Väter der Quantentheorie mit Ideen und Personen sympathisierten, die heutzutage – ob zu Recht oder zu Unrecht, sei dahingestellt – mit dem ebenso unscharfen wie anrüchigen Adjektiv „esoterisch“ belegt werden.

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Was ist Evolution? (2) – Warum der Sternenstaub überlebte

Ein Gastbeitrag von Helmut Pfeifer

Supernova – ohne Sternenexplosionen kein Leben im Universum
(Bild: Screeshot Youtube)

Evolution erklärt uns die Entstehung des aufrechten Ganges oder die Länge von Giraffenhälsen. Eine Ansicht, die nicht falsch ist, aber von einem eingeschränkten Verständnis von Evolution zeugt. Diese setzte nämlich schon direkt nach dem Urknall ein, lange bevor an die ersten Lebewesen überhaupt zu denken war. Schon jetzt setzten sich stabile Teilchen gegen ihre instabileren „Konkurrenten“ durch. Helmut Pfeifer führt uns im zweiten Teil seiner Serie durch die Geschichte der kosmischen Evolution.

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Der delische Raumzeittaucher

Christian Bührig, Blogger

Bloggt über Philosophie und Quantentheorie: Christian Bührig

Keine Denkverbote, aber auch keine haltlosen Spekulationen – so habe ich das Motto des Blogs einmal zusammengefasst. Man könnte auch sagen: Bitte einen Bezug zur Realität, aber nicht die ausgelatschten Pfade des gerade geltenden wissenschaftlichen Paradigmas breittreten. Unsere Leser erwarten schon eine gewisse Grenzerfahrung, eine Infragestellung des Gewohnten oder eine ungewöhnliche Perspektive und ja, vielleicht auch einen Hauch Metaphysik.

In der Rubrik Zeitgenossen antworten (die ich vielleicht irgendwann noch in Typen statt Theorien umbenennen werde) sind daher Personen willkommen, die diesem doppelten Standard gerecht werden. Das ist dieses Mal vielleicht sogar in besonderem Maße der Fall.

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Die Quantentheorie und der Kampf um die Seele der Physik

Ein Gastbeitrag von Christian Bührig

Solvay 1927_1

Teilnehmer der Solvaykonferenz 1927 – Die „Quantenkritiker“: Einstein (1. Reihe, Mitte), Schödinger (3. Reihe, Mitte); die „Quantenfreaks“: Bohr (2. Reihe, ganz rechts), Heisenberg und Pauli (3. Reihe, 3. u. 4. v. rechts)

A. Einleitung von Axel Stöcker

Von allen naturwissenschaftlichen Theorien ist die Quantentheorie jene, die am besten empirisch bestätigt wurde. Und sie ist wohl auch die Theorie, die am meisten technisch angewendet wird. Von der Neonröhre bis zum Computer, von der Quantenkryptographie bis zur Photovoltaik, alles beruht auf Quanten.

Doch so souverän man die Theorie in der Praxis auch beherrscht, so unsicher ist man sich nach wie vor in der Frage, wie ihre theoretischen Grundlagen eigentlich zu interpretieren sind. Zugespitzt formuliert gleicht die Quantentheorie einer großen Black Box, die perfekte Ergebnisse liefert, aber deren Inneres ein großes Rätsel darstellt. Was bedeuten all die Wellenfunktionen, Matrizen und Operatoren eigentlich? Repräsentieren sie physikalische Realitäten, oder sind es lediglich raffinierte mathematische Simulationen?

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Ein göttlicher Bluff

Das Zitat im April

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Das Zitat im April – Leonhard Euler (Foto: screenshot YouTube)

Heute vor 310 Jahren wurde der Mathematiker Leonhard Euler geboren. Ein Streitgespräch über die Existenz Gottes mit dem französischen Gelehrten Denis Diderot soll er durch diesen Satz erfolgreich beendet haben. Haben Mathematiker einen besonderen Zugang zu Gott? Weiterlesen