Warum die Physik die Psyche nicht erklären kann

Ein Gastbeitrag von Robert Harsieber

W. Pauli (oben) und C. G. Jung suchten in ihren Gesprächen unter anderem nach einer gemeinsamen Sprache für Physik und Psychologie (Fotos: Youtube-screenshots)

Welche Lektüren rollen Ihnen die Zehennägel hoch? Ganz vorne dabei sind für mich jene, in denen esoterische Ableitungen aus naturwissenschaftlichem Halbwissen gezogen werden. Dabei sind die Schlussfolgerungen in der Regel umso gewagter, je komplexer die missbrauchte Theorie und je oberflächlicher das Wissen über selbige ist. Beliebt sind besonders die Relativitätstheorie (Alles ist relativ – hat Einstein gesagt!) und die Quantentheorie (Sie ermöglicht die Materialisierung persönlicher Wünsche, wie man dem Weltbestseller „The Secret“ entnehmen kann, was zumindest für die finanziellen Wünsche des Autors jenes Werks kaum bestritten werden kann).

Und dennoch kann gerade bei der Quantentheorie kein Zweifel darüber bestehen, dass sie neben einer hervorragend funktionierenden naturwissenschaftlichen Theorie eben auch eine ist, die philosophische Fragen aufwirft, die bis heute nicht befriedigend geklärt sind. Hinzu kommt, dass einige der Väter der Quantentheorie mit Ideen und Personen sympathisierten, die heutzutage – ob zu Recht oder zu Unrecht, sei dahingestellt – mit dem ebenso unscharfen wie anrüchigen Adjektiv „esoterisch“ belegt werden.

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Der delische Raumzeittaucher

Christian Bührig, Blogger

Bloggt über Philosophie und Quantentheorie: Christian Bührig

Keine Denkverbote, aber auch keine haltlosen Spekulationen – so habe ich das Motto des Blogs einmal zusammengefasst. Man könnte auch sagen: Bitte einen Bezug zur Realität, aber nicht die ausgelatschten Pfade des gerade geltenden wissenschaftlichen Paradigmas breittreten. Unsere Leser erwarten schon eine gewisse Grenzerfahrung, eine Infragestellung des Gewohnten oder eine ungewöhnliche Perspektive und ja, vielleicht auch einen Hauch Metaphysik.

In der Rubrik Zeitgenossen antworten (die ich vielleicht irgendwann noch in Typen statt Theorien umbenennen werde) sind daher Personen willkommen, die diesem doppelten Standard gerecht werden. Das ist dieses Mal vielleicht sogar in besonderem Maße der Fall.

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Die Quantentheorie und der Kampf um die Seele der Physik

Ein Gastbeitrag von Christian Bührig

Solvay 1927_1

Teilnehmer der Solvaykonferenz 1927 – Die „Quantenkritiker“: Einstein (1. Reihe, Mitte), Schödinger (3. Reihe, Mitte); die „Quantenfreaks“: Bohr (2. Reihe, ganz rechts), Heisenberg und Pauli (3. Reihe, 3. u. 4. v. rechts)

A. Einleitung von Axel Stöcker

Von allen naturwissenschaftlichen Theorien ist die Quantentheorie jene, die am besten empirisch bestätigt wurde. Und sie ist wohl auch die Theorie, die am meisten technisch angewendet wird. Von der Neonröhre bis zum Computer, von der Quantenkryptographie bis zur Photovoltaik, alles beruht auf Quanten.

Doch so souverän man die Theorie in der Praxis auch beherrscht, so unsicher ist man sich nach wie vor in der Frage, wie ihre theoretischen Grundlagen eigentlich zu interpretieren sind. Zugespitzt formuliert gleicht die Quantentheorie einer großen Black Box, die perfekte Ergebnisse liefert, aber deren Inneres ein großes Rätsel darstellt. Was bedeuten all die Wellenfunktionen, Matrizen und Operatoren eigentlich? Repräsentieren sie physikalische Realitäten, oder sind es lediglich raffinierte mathematische Simulationen?

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