Die Lautlose

Anna Torus, Bloggerin

Torus

Nicht nur für Mathematiker, sondern auch für Philosophinnen inspirierend: der Torus

Truth doesn’t make a noise – Wahrheit macht keinen Lärm. Das könnte ein zentrales Problem sein, das uns in dieser aufgeheizten Zeit der „Postfakten“ und der „Lügenpresse“ immer wieder auf die Füße fällt: Was keinen Lärm macht, macht keine Auflage und keine Klickzahlen – jedenfalls nicht auf die Schnelle. Kann man da in Zeitungen und auf kommerziellen Webseiten überhaupt die reine Wahrheit erwarten?

 

Wir lassen diese Frage mal so im Raum stehen. Mit Sicherheit könne wir jedenfalls feststellen, dass es im Gegensatz dazu Blogs gibt, die sich explizit der geräuschlosen Wahrheitsfindung verschrieben haben. So bloggt die Philosophin Anna Torus unter dem genannten Motto “Truth doesn’t make a noise”.

Hier findet man Nachdenkliches und Geistreiches zu so unterschiedlichen Themen wie Moral, Ernährungsratschlägen von Nietzsche oder Verschwörungstheorien. Und auch Romantiker kommen bei der Apologie der Irrationalität auf ihre Kosten. Zwischentöne und Differenzierungen trotzen hier dem Zeitgeist des Schrillen.

Anna Torus ist allerdings ein Pseudonym. Zur Geräuschlosigkeit gesellt sich bei ihr also auch noch das Geheimnisvolle. Umso mehr freuen wir uns, Anna Torus an dieser Stelle (nicht) vorstellen zu dürfen.

 

Wofür lassen Sie alles stehen und liegen?

Für The Winds of Winter von George R. R. Martin – sollte es jemals erscheinen.

Welche Themen interessieren Sie am meisten?

Leider alle, deswegen habe ich mich für das Philosophiestudium entschieden. 😉 Mein Thema ist vor allem das, was alle Themen zusammenhält. Ich vermute eine allgemeine, übergeordnete Struktur in den Dingen, deswegen interessieren mich hauptsächlich ontologische und metaphysische Fragen – heute leider gar nicht mehr en vogue.

Welcher Wissenschaftler fasziniert Sie besonders?

Ich würde sagen: Werner Heisenberg, ein herausragender theoretischer Physiker mit großer schöpferischer Begabung, für mich eher einer der großen Naturphilosophen des 20. Jahrhunderts.

 Und welcher Philosoph?

Ich würde es nicht mehr Faszination nennen, aber Arthur Schopenhauer hat mich mit seinem Werk sehr geprägt. Und der alte Griesgram ist mir einfach sympathisch. Die Faszination gilt nach wie vor Platon, insbesondere seinem Timaios.

 Welche drei Bücher würden Sie den Lesern des Blogs der großen Fragen empfehlen?

Da es auf dem Blog ja vor allem um die Schnittstelle zwischen Naturwissenschaft und Philosophie geht, würde ich empfehlen:

Werner Heisenberg: Der Teil und das Ganze. – Heisenberg erzählt von seinem Leben und plaudert aus dem Nähkästchen: Gespräche mit Einstein und Spaziergänge in Dänemark mit Niels Bohr – lebendige Physikgeschichte. Man erfährt auch einiges zu seinem philosophischen Weltbild.

Paul Feyerabend: Against Method. – Feyerabend rechnet erfrischend unkonventionell und witzig mit Wissenschaft und Wissenschaftsphilosophie ab. Vor allem entlarvt er die gewöhnlich nach außen gut verdeckten irrationalen und dogmatischen Strukturen der Naturwissenschaft.

Hans-Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. – Ein schöner Rundumblick auf viele mögliche Antworten zu den großen Fragen, sehr gut zum Einstieg in die Philosophie.

Welche Musik mögen Sie?

Seit ich vor einigen Jahren die späten 60er Jahre als Epoche für mich entdeckt habe, bin ich dem Psychedelic Rock verfallen. Ich mag aber auch allerlei gute Musik anderer Richtungen, dabei darf es durchaus auch elektronisch und experimentell zugehen.

Auf welchem Gebiet herrscht heutzutage die größte Unwissenheit?

Auf allen Gebieten, mit denen wir im Alltag so selbstverständlich vertraut sind, dass wir nicht danach fragen. Ich würde aber sagen, vor allem bei der Frage nach dem Charakter des menschlichen Wesens im Allgemeinen, seiner „Natur“ und seiner Geschichte. Der Mensch ist noch weit davon entfernt, sich selbst zu erkennen – und ich nehme mich da selbst auf keinen Fall aus – aber hierin sehe ich den Schlüssel zu Erkenntnis überhaupt.

Was macht eine Frage bedeutend?

Ihr Umfang, vor allem aber die aufrichtige Neugier des Fragenden.

Eine Fee verspricht Ihnen die Antwort auf eine beliebige Frage. Was fragen Sie?

Wird der Mensch noch zu sich selbst finden bevor es mit ihm zu Ende geht?

Wo sehen Sie Grenzen menschlicher Erkenntnis?

Ich sehe eine Grenze erst in der vollkommenen Erkenntnis selbst, sollte es so etwas geben, oder im Tod. Solange wir uns noch im Erkenntnisprozess befinden, sollten wir danach streben, Grenzen zu überschreiten.

Jemand erklärt Ihnen, die Frage nach Gott sei belanglos. Was antworten Sie?

Keine Frage ist belanglos, erst recht nicht die nach Gott. Kaum ein anderer Begriff ist so weit, so unbestimmt und facettenreich wie dieser. Entsprechend viel lässt sich lernen, wenn man sich unvoreingenommen auf die Erforschung dieser Frage einlässt.

Welche Bedeutung hat der Tod für Sie?

Verschiedene Lektüre und eigene Überlegungen haben mich an seiner Finalität zweifeln lassen, jedenfalls an der gängigen Auffassung einer solchen. Insbesondere halte ich seine Dämonisierung für problematisch. Nicht der Tod ist schrecklich, sondern das Töten.

 

Anna Torus studiert Philosophie im fortgeschrittenen Semester in Berlin. Seit August 2016 schreibt sie auf ihrem Blog Truth doesn’t make a noise zu philosophischen und gesellschaftlichen Themen.

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