Auf der Suche nach anderen Welten

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Wanderer am Weltenrand – Holzstich, erstmals 1888 veröffentlicht von dem französichen Astronomen Camille Flammarion (1842-1925)

Über die Existenz anderer Welten spekuliert der Mensch seit es ihn gibt, ob in Mythologie oder Religion, im Märchen oder Roman. Neuerdings hat auch die moderne Physik fremde Welten für sich entdeckt – in den sogenannten Paralleluniversen. Wie ernst sollte man solche Ideen nehmen, seien sie nun physikalisch oder mythologisch? Ein erster Versuch der Orientierung.

Kaum etwas fasziniert den Menschen so sehr, wie die Suche nach fremden Welten. Ob Kolumbus, der die „neue Welt“ unabsichtlich entdeckte oder Star Treks Raumschiff Enterprise, das in den „unendlichen Weiten“ gezielt nach fremden Zivilisationen sucht – immer steckt die Faszination des ganz Anderen, Unzugänglichen dahinter. Manche dieser Welten sind bedrohlich wie der Hades, die Unterwelt der Griechen, andere verheißungsvoll wie das sagenhafte El Dorardo, immer jedoch sind sie rätselhaft und nur sehr schwer zu erreichen. Einen Besuch im Hades überstanden selbst von den Göttern nur Hermes der Götterbote und Helden wie Herakles unbeschadet und das El Dorado konnte man eigentlich nur durch einen Glücksfall finden, da es auf keiner Karte verzeichnet war.

Gehört auch die Vorstellung vom buddhistischen Nirvana hierher? Dieses Reich der Nichtexistenz, das parallel zu unserer zeitlichen und materiellen Welt – im Buddhismus Samsara genannt – existiert, aber für den Menschen nur zum Zeitpunkt seines Todes erreichbar ist (und dann auch nur, wenn er alles richtig macht). Schwer zu sagen, da das Nirvana in unserem Sinne nicht existiert. Bejahen muss man die Frage aber sicher für andere Vorstellung vom Jenseits, die deutlich bildhafter sind, sei es die Hölle, der Garten Eden oder spirituelle Jenseitsvorstellungen. In der jüdischen Mystik, der Kabbala, gibt es sogar vier parallele Welten. Was im Buddhismus Samsara heißt, wird dort Assiah genannt und die anderen drei Welten existieren gleichzeitig, lassen sich aber ebenfalls kaum betreten. Wo sie sich räumlich befinden, lässt sich nur schwer sagen. Am ehesten kann man es wohl so beschreiben, dass sie Assiah durchdringen, aber doch irgendwie von ihm getrennt sind.

Wer solche Vorstellungen für mythischen Hokuspokus hält, ist vielleicht überrascht, dass die Idee von anderen, „parallelen“ Welten in dem, was wir heutzutage Wissenschaft nennen, praktisch allgegenwärtig ist – zumindest was die moderne Physik und Kosmologie angeht. Die Entstehung solcher Welten, ihre Anzahl und ihre Zusammensetzung werden von vielen Forschern ernsthaft diskutiert, auch wenn der Zugang zu ihnen (wie bei ihren mythologischen Verwandten) schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist. Wir kommen später darauf zurück.

Die Anzahl der Paralleluniversen ist in der Physik sogar um einiges Größer als bei den „klassischen“ Vorgängern – wie leben in einer inflationären Zeit. Wer die kabbalistische Vorstellung von vier Welten schon für unübersichtlich hält wird sich wundern: Wissenschaftler reden heutzutage nicht von vier parallelen Universen, sondern von vier Typen paralleler Welten, wobei man statt von Typen eher von Leveln redet (was ein bisschen nach Playstation klingt, aber egal). Jedenfalls gibt es auf jedem Level so viele Universen, dass man sogar in Potenzschreibweise ziemliche Schwierigkeiten bekommt, ihre Anzahl darzustellen. Auf manchen Leveln gibt es auch gleich mal unendlich viele davon. Kein mir bekannter Schöpfungsmythos hat bisher so dick aufgetragen. Aber natürlich kann man das nicht vergleichen, denn es handelt sich hierbei ja nicht um Mythen, sondern um Wissenschaft – oder?

Gibt es also Belege für die Existenz von physikalischen Paralelluniversen? Und – da wir gerade dabei sind – wie sieht es diesbezüglich mit den „klassischen“ Parallelwelten wie zum Beispiel dem „Jenseits“ aus?

Indizien für ein Jenseits?

Fangen wir mal mit letzterem an und definieren „Jenseits“ als einen Ort, an dem sich Überbleibsel von Personen aufhalten, die in dieser Welt gestorben sind und bezeichnen wir diese Überbleibsel der Einfachheit halber mit dem klassischen Begriff „Seelen“. Gibt es irgend einen Befund der darauf hindeuten könnte, dass es sich bei der „Seelen-Jeseits-Theorie“ um mehr handelt, als ein hübsches Märchen?

Bemerkenswert ist sicher, dass sehr viele Menschen – wahrscheinlich sogar die Mehrheit – an etwas in dieser Art glauben. Doch ist dies allein kein Argument, das in irgendeiner Weise Wissenschaftlichkeit beanspruchen könnte, denn es gibt auch viele Leute, die glauben, die Amerikaner seien nie auf dem Mond gelandet oder die der Meinung anhängen, es handle sich bei U2 um eine bedeutende Rockband.

Was aber macht eine Behauptung zur wissenschaftlichen These? Die Meinungen dazu gehen auseinander, aber eines ist mit Sicherheit unverzichtbar dafür: Man benötigt eine Beobachtung, die von allen akzeptiert wird (die also in diesem Sinne objektiv ist) und die die Behauptung in irgendeiner Form stützt. Natürlich ist die Behauptung damit noch lang nicht bewiesen. Es ist nur die Minimalanforderung dafür, dass man über sie auf eine im weitesten Sinne wissenschaftliche Weise reden kann.

Gibt es also für ein wie auch immer beschaffenes Jenseits eine solche Beobachtung? Man ist versucht, nein zu sagen, denn, wie der Name schon sagt, liegt es doch jenseits unserer Welt und damit unserer Erfahrung. Wenn es ein Jenseits geben sollte, existiert jedoch auch ein schmaler Zugang zu ihm, der eine Beobachtung ermöglichen könnte: der Tod. Und genau an dieser Stelle haben sich in den letzten 40 Jahren, seit der US-amerikanische Psychiater Raymond Moody (*1944) die ersten Berichte über Nahtoderfahrungen sammelte, doch einiges an belastbarem Material angesammelt: Etwa jeder vierte bis fünfte Reanimierte hat eine solche Nahtoderfahrung und viele von ihnen berichten Dinge, die sich stark „nach Jenseits“ anhören. Nun kann man fragen, inwieweit so etwas als Beobachtung gelten kann, denn eine Nahtoderfahrung lässt sich nicht in der gleichen Weise beobachten, wie das Wachstum einer Pflanze oder die Bewegung eines Planeten. Man hat nur introspektive Berichte von Personen, die man natürlich anzweifeln kann. Allerdings beruhen praktisch die gesamten Erkenntnisse der modernen Hirnforschung ebenfalls auf introspektiven Berichten. Man geht hier davon aus, dass man vielen solchen Berichten, wenn sie sich gegenseitig bestätigen, vertrauen kann und wertet sie dann als Beobachtung im oben genannten Sinne. Was also der Hirnforschung recht ist, sollte der Nahtodforschung billig sein.

Es soll an dieser Stelle nicht darauf eingegangen werden, inwieweit Nahtoderfahrungen tatsächlich als Indiz für die Existenz einer Seele oder eines Jenseits gewertet werden können oder ob es nicht ganz andere Erklärungen dafür gibt. Diese Diskussion wir uns sicher zu gegebener Zeit auf diesem Blog noch beschäftigen. Im Moment sei nur festgestellt, dass eine solche, im weitesten Sinne des Wortes, wissenschaftliche Diskussion über die „Seelen-Jeseits-Theorie“ möglich ist, weil es die Beobachtung der Nahtoderfahrungen gibt.

Parallele Universen – Wissenschaft oder Science Fiction?

Wie kommt jemand überhaupt auf die Idee, die Existenz von Welten zu behaupten, die für uns unsichtbar sind? Beim Jenseits mögen die Nahtoderfahrungen bestimmter Personen, aber vielleicht auch Visionen, Berichte aus alten Texten oder auch nur Wunschdenken der Grund dafür sein. Religionen spenden Trost und bauen auf Glauben. Sie müssen ihre Aussagen nicht begründen, was Privileg und Krux gleichermaßen ist.

Aber was veranlasst Redakteure angesehener Wissenschaftszeitungen, denen man doch eine gesunde geistige Nüchternheit unterstellen sollte, zu Fragen wie „Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie viele Doppelgänger Sie haben – Personen, die aussehen wie Sie, den gleichen Namen tragen, dieselben Vorlieben pflegen, aber in einer für uns unzugänglichen Parallelwelt existieren?“ Um dann gleich noch nachzuschieben, dass es sich dabei, „nicht um metaphysische Hirngespinste, sondern durchaus um seriöse Wissenschaft“ handle.[i]

Unbestritten ist, dass das, was wir im Allgemeinen als „Universum“ bezeichnen, nicht alles umfassen kann, was existiert, denn es ist nur der Teil des eigentlichen Universums (es soll hier der Unterscheidung halber „All“ genannt werden), der für uns sichtbar ist. Licht hat bekanntlich eine hohe, aber endliche Geschwindigkeit und wir können daher nur die Objekte des Alls sehen, deren Licht uns in den 13,8 Milliarden Jahren seit dem Urknall erreichen konnte. Das, was wir im allgemeinen „Universum“ nennen, ist daher eine Kugel mit einem geschätzten Radius von schlappen 42 Milliarden Lichtjahren. Mehr ist beim besten Willen nicht beobachtbar.

Das hat nun zwei wichtige Konsequenzen:

Erstens wird der für uns sichtbare Teil des Alls ständig größer, weil ständig Licht von noch ferneren Objekten bei uns ankommt. Was also gestern noch nicht Teil unseres „Universums“ war, kann heute schon dazugehören. Das zeigt: Es muss mehr geben, als das, was wir sehen können. Wenn wir nun in den für uns unsichtbaren Zonen des Alls einen bestimmten Bereich wählen (sagen wir: eine andere Kugel mit dem Radius von ebenfalls 42 Milliarden Lichtjahren), so haben wir das, was der schwedisch-US-amerikanische Kosmologe Max Tegmark (*1967) ein „Level-1-Paralleluniversum“ nennt.

Allerdings ist es – zweitens – völlig unmöglich irgendetwas über das Aussehen oder die Zusammensetzung eines solchen Level-1-Paralleluniversums in Erfahrung zu bringen, da Beobachtung nur durch das Empfangen von Licht möglich ist. Ebenso wäre es unmöglich mit einer Zivilisation in einem solchen Paralleluniversum Kontakt aufzunehmen, da sich auch Funksignale nicht schneller als Licht bewegen können. Verglichen mit einem – angenommenen – Jenseits ist die Faktenlage also nochmals um einiges dünner: Während wir dort noch Berichte von Reanimierten haben, auch wenn diese allenfalls den „Rand“ eines, wie auch immer gearteten, Jenseits beschreiben können, haben wir bei den Paralleluniversen an Beobachtungen per Definition gar nichts, Null.

Wie kann jemand mit einem wissenschaftlichen Anspruch also behaupten, es gebe dort draußen Doppelgänger von uns? Und: Sollte man so etwas ernst nehmen? Die Antwort auf diese Frage wird in einem der nächsten Beiträge auf diesem Blog gegeben werden. Im Moment wollen wir uns noch ein wenig mit den Paralleluniversen höherer Levels befassen.

Max Tegmark oder: „Beweise“ für das Unsichtbare

Der bereits erwähnte Max Tegmark ist wohl der Kosmologe, der die Idee der parallelen Universen am weitesten treibt und am offensivsten vertritt. Nicht alle seine Kollegen teilen seine Ansichten. Das allein ist unter Wissenschaftlern nichts Ungewöhnliches. Wegen den eben angedeuteten Problemen (und weitern, auf die wir noch kommen werden) halten mache Physiker seine Überlegungen aber eher für Philosophie oder Metaphysik und nicht für Wissenschaft – schon gar nicht für ernste Wissenschaft. Es mag Tegmark daher entgegengekommen sein, seine Gedanken auf einer Videoplattform im Netz präsentieren zu können, die genau den Titel trägt, den manche Kollegen seinen Theorien verweigern: Serious Science – Ernste Wissenschaft (eine Frage, der wir hier nicht weiter nachgehen können, drängt sich dabei natürlich auf: Gibt es auch unernste Wissenschaft? Eine Anspielung auf Douglas Adams?)

Wie dem auch sei, unter dem vielversprechenden Titel „Beweise für parallele Universen“ (Evidence For Parallel Universes) präsentiert der Kosmologe in einem knapp zwölfminütigen Video seine Vorstellungen von der Beschaffenheit des Alls.

Parallele Welten sind nach Tegmark keine willkürlichen philosophischen Spekulationen, denn

„…diese Paralleluniversen sind keine Theorie, sie sind eine Voraussage aus bestimmten Theorien, die wir intern auf verschiedene andere Arten testen können.“ (ab 1:23)

Als Beispiel nennt Tegmark die Theorie der Inflation, eine sehr erfolgreiche kosmologische Theorie aus den frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, die maßgeblich auf den US-amerikanischen Physiker Alan Guth (*1947) zurückgeht. Sie behauptet im Wesentlichen, dass sich das Universum in seiner Frühphase während einer kurzen Zeitspanne extrem schnell ausgedehnte (Inflation bedeutet Anschwellen). Damit ist sie in der Lage einige Eigenschaften des Universums richtig vorauszusagen, mit denen man bis dato große Probleme gehabt hatte. Zum Beispiel erklärt sie, warum sowohl die Strukturen, als auch die kosmische Hintergrundstrahlung des Universums weitgehend homogen sind, also von der Erde aus betrachtet in allen Richtungen im Wesentlichen gleich aussehen. Damit ist die Theorie direkt mit Beobachtungen verknüpft, so wie es sich für eine wissenschaftlichen Theorie gehört. Darüber hinaus macht die Theorie laut Tegmark, die „Voraussage“, dass parallele Universen existieren. Er erklärt weiter:

 „Damit eine Theorie wissenschaftlich ist, muss man nicht in der Lage sein, alles was sie voraussagt zu beobachten. Man muss nur in der Lage sein, mindestens eine Sache, die sie voraussagt zu beobachten. Und wenn einen das überzeugt, an die Theorie zu glauben, muss man auch die anderen Dinge, die sie voraussagt, ernst nehmen“ (ab 2:52)

Der Unterschied zwischen voraussagen und erlauben

Tegmark erklärt uns hier noch einmal, warum die Inflationstheorie eine wissenschaftliche Theorie ist. Das ist nett von ihm, nur hat das eigentlich niemand bezweifelt. Bezweifelt wird nur die Existenz von Paralleluniversen, doch bei denen handelt es sich ja um gar keine Theorie, wie wir gerade gelernt haben. Man solle sie aber ernst nehmen, weil sie von einer überzeugenden Theorie „vorausgesagt“ würden. Klingt zunächst überzeugend, doch liegt hier der entscheidende Fehler. Genauer gesagt liegt er in dem Wort „vorausgesagt“. Es mag die Szientisten unter uns enttäuschen, aber keine Theorie kann aus sich heraus die Existenz von irgendetwas voraussagen – jedenfalls dann nicht, wenn man unter einer Voraussage etwas verbindliches versteht, das über eine bloße Vermutung hinausgeht. Von einer „Voraussage“ wird häufig fälschlicherweise gesprochen, wenn eine Vermutung, die sich aus einer Theorie ergab, im Nachhinein durch eine Beobachtung bestätigt wird.

So sagte zum Beispiel der deutsche Physiker Erich Regener (1881-1955) bereits 1933, dass es eine Strahlung im intergalaktischen Raum mit der Temperatur 2,8K geben müsse. Die Existenz derselben wurde aber erst 1964 nachgewiesen, als sie beim Test einer empfindlichen Antenne zufällig gemessen wurde.

Anders sieht es bei der „Voraussage“ der sogenannten Tachyonen aus. Dabei handelt es sich um Teilchen, die sich grundsätzlich schneller als das Licht bewegen sollen. 1962 wiesen drei Physiker daraufhin, dass es solche Teilchen im Rahmen von Einsteins spezieller Relativitätstheorie geben könne. Bis heute fehlt jedoch jeder experimentelle Nachweis für sie. Die meisten Forscher halten sie für unseriös.

Wer hat also nun etwas „vorausgesagt“? Regener oder die drei Tachyonen-Physiker? Keiner oder alle beide, je nachdem, was man unter „voraussagen“ versteht. Eines zeigen diese Beispiele aber auf jeden Fall: Keine Theorie kann die Existenz von etwas beweisen, das noch nicht beobachtet worden ist. Eine physikalische Theorie kann lediglich die Existenz von etwas verbieten oder erlauben, aber nicht beweisen und damit auch nicht (verlässlich) voraussagen. Vornehm ausgedrückt: Physikalische Theorien können nur notwendige Bedingungen für die Existenz von etwas angeben, aber keine hinreichenden.

Dieser wichtige Punkt sei an einem Beispiel nochmals verdeutlicht: Man erinnert sich vielleicht an die Wurfparabel aus dem Physikunterricht. Wenn wir einen Ball werfen, hat die Flugbahn die Form einer nach unten geöffneten Parabel, die sich wiederum durch eine quadratische Gleichung beschreiben lässt. Wenn wir nun wissen wollen, in welcher Entfernung der Ball auf den Boden trifft, können wir diese bestimmen, indem wir die Nullstelle der Parabel berechnen. So weit, so einfach. Nun hat allerdings jede solche Parabel schon aufgrund ihrer Form zwei Nullstellen: eine liegt vor dem Werfer und eine hinter ihm. Natürlich ist nur die Nullstelle vor dem Werfer eine sinnvolle Antwort auf die Frage „Wo landet der Ball?“, auch wenn die quadratische Gleichung die andere Lösung ebenfalls erlaubt. So weiß schon der aufgeweckte Mittelstufenschüler, dass Gleichungen Lösungen produzieren können, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Nicht anders ist es in der Kosmologie. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Gleichungen hier wesentlich komplexer sind. Ein Universum ergibt sich dort als Lösung bestimmter Gleichungen (Klingt komisch, ist aber so!). Aber so wenig wie die zweite Nullstelle der Wurfparabel muss irgendein erlaubtes Universum tatsächlich existieren.

Und Tegmark sprach…

Hören wir vor diesem Hintergrund noch einmal was Max Tegmark dazu sagt. Die Physiker seien auf der Suche nach einer allumfassenden Theorie, das heißt einem Satz Gleichungen, der in der Lage ist den gesamten Kosmos zu beschreiben. Diese werde, soweit man das heute abschätzen kann, auch die Inflationstheorie mit umfassen. Nach Tegmark dürfen wir von dieser Theorie aber nicht nur die Beschreibung unseres Universums erwarten:

 „Wenn sich herausstellt, dass es für diese Theorie mehr als eine Lösung gibt (…), dann wird die Inflationstheorie nicht nur einen großen Raum schaffen, sondern sie wird einen großen Raum schaffen, in dem jede dieser Lösungen tatsächlich stattfindet. Die Inflationstheorie verwandelt also tatsächlich das Mögliche in das Wirkliche.“ (ab 5:03)

Man muss sich den letzten Satz nochmals auf der Zunge zergehen lassen: Die Inflationstheorie verwandelt das Mögliche in das Wirkliche. Alter Schwede! Da fehlt ja nur noch, dass er sagt: Es werde Licht!

Läst man Revue passieren, was man über die verschiedenen „anderen Welten“ nun tatsächlich weiß, so ergibt sich ein seltsames Bild:

Einerseits gehört es fast schon zum guten Ton in der Wissenschaft, die Existenz von Welten zu behaupten, die per Definition unbeobachtbar sind und deren Verfechter sich in geradezu mythologisch anmutenden Formulierungen ergehen, die man eigentlich nur als „Schöpfung aus der Theorie“ beschreiben kann – eine creatio ex theoria mit Anklängen an die biblische creatio ex nihilo. Natürlich alles mit dem Anspruch Serious Science zu betreiben.

Andererseits werden Forscher, die sich ernsthaft mit Nahtoderfahrungen und einer „Seelen-Jeseits-Theorie“ befassen, von ihren – ernste Wissenschaft betreibenden – Kollegen bestenfalls belächelt. Und das, obwohl sie im Gegensatz zu denen auswertbare Beobachtungen haben, über die man wissenschaftlich streiten könnte.

Beides soll uns an dieser Stelle noch beschäftigen.

[i] Spektrum der Wissenschaft, Dossier 5/05, „Fantastisches Universum“, Vorwort

Abbildung: Screeshot Youtube
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2 Kommentare zu “Auf der Suche nach anderen Welten

  1. Da sind ein paar sehr interessante Gedanken gelistet,die Sprache ist gut verständlich und macht auch einem weniger mit der Materie vertrauten Leser Lust auf mehr.Allerdings kann ich nicht mit allem übereinstimmen, so gibt es für Menschen im Buddhismus die Möglichkeit durch Bodhi(das erwachen) aus dem samsara auszutreten und ins Nirvana zu gelangen wie im Artikel beschrieben,allerdings verfügen diese dann übernatürlichen Wesen über die Fähigkeit andere Menschen auf ihrem Weg zu geleiten und zu helfen,diese Funktion erfüllen in anderen Religionen die jeweiligen Gottheiten.Ich selbst als gebürtiger Katholik finde das einen deutlich tröstlicheren Gedanke als auf das Wohlwollen eines von der Kirche in Szene Gesetzen Gottes zu hoffen. Die Frage nach dem Jenseits bewegt mich persönlich schon seit langem,als bekennender Agnostiker glaube ich nicht an ein vorgegebenes jenseits einer der vielen Religionen,jedoch stellt sich einem doch immer und immer wieder die selbe frage, was geschieht nach dem Tode ? Dieser Artikel setzt sich wirklich gut damit auseinander.Chapeau an den Autor und immer weiter so

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    • Vielen Dank, Steve, für so viel Lob und Zuspruch! Mir geht es mit dem Tod ähnlich: Obwohl er hoffentlich noch nicht so bald ansteht, stelle ich mir immer wieder Fragen dazu, sowohl philosophischer als auch naturwissenschaftlicher Art.
      Ich plane deshalb eine Reihe von kürzeren Artikeln zum Thema „Nahtoderfahrungen und was sie bedeuten bzw. nicht bedeuten“. Ich hoffe, ich finde bald die Zeit dazu.

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